Mit ‘Interview’ getaggte Beiträge

In einem Radiobeitrag im „Zündfunk“ wurde sie diese Woche schon als neue TEMPO angekündigt, die deutsche Ausgabe von Andy Warhols legendärem „Interview“-Magazin. Im Gegensatz zu Meedia finde ich 6 Euro für 260 überformatige Seiten auch nicht „happig“, eher habe ich mich gefragt, wie sich das zu dem Preis finanzieren lässt. Die Antwort findet man, sobald man anfängt, das „Heft“ durch zu blättern: Schon nach etwas mehr als 50 Seiten findet sich der erste redaktionelle Beitrag, davor endlose Werbung. Von den Themen interessierte mich spontan ein einziges: Chloe Sevigny erzählt im Interview mit Sonic Youths Kim Gordon über ihre neue TV-Serie. Ansonsten die üblichen Sternchen allenthalben, und wenn ein Vorspann damit anfängt, dass Woody Allen Scarlett Johannson für die attraktivste Schauspielerin seit Marilyn Monroe hält, hätte ich schon keine Lust mehr, weiter zu lesen (ok, hätte ich bei der Dame ohnehin nicht).

Auf den ersten Blick wirkte das am Kiosk auf mich wie ein Magazin, auf das niemand gewartet hat. Jedenfalls nicht in dieser Form. Der TEMPO-Vergleich geht ja schon deshalb völlig in die Irre, weil die eben nie ein reines Promi-Lifestyle-Magazin war, sondern diese Themen mit ernsthaften Politik-Reportagen und soziokulturellen Essays mischte. Der Vergleich „frühe MAX“, den Meedia bringt, ist recht zutreffend: viele große Fotos von gut gekleideten hippen Menschen, wenig Gehalt. Die MAX war ja damit auch so wenig erfolgreich, dass sie in den nächsten Jahren ihr Konzept gefühlte fünf Mal völlig über den Haufen warf – was ihr am Ende auch nichts nützte. Mal sehen, wie lange „Interview“ durch hält.

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Cine-Fils ist ein Online-Magazin, das Video-Interviews mit Regisseuren und anderen Filmschaffenden enthält. Die Gespräche drehen sich jeweils um ein Thema bzw. einen Begriff. Dazu gibt es dann immer noch einen Essay eines Redaktionsmitglieds zu lesen. Einige interessante Namen finden sich unter den Interviewten bereits. Meine Empfehlungen: Ken Loach spricht über politisches Kino, Andreas Dresen über Authentizität im Film.

Loach hat ja letzte Woche auch den Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk verliehen bekommen. Eine sehr verdiente Auszeichnung. Ich kenne nur seine neueren Filme aus den 90er und Nullerjahren. Die sind aber fast alle hervorragend. Loach macht bereits seit den 60ern Filme. Dabei ist er sich immer treu geblieben, dreht in den letzten Jahren fast jedes Jahr einen neuen Film, in denen es immer um die Probleme der „kleinen Leute“ geht, um unspektakuläre Alltagsgeschichten aus der britischen oder irischen Arbeiterklasse, die aber doch unendlich viel mehr über gesamtgesellschaftliche Probleme erzählen als sämtliche bemühten „Issue-Filme“, die wir von anderen Arthouse-Regisseuren so vorgesetzt bekommen.

Manchmal sind es eher (Tragik-)Komödien, manchmal eher Dramen, manchmal sogar (Bürger-)Kriegsepen. Aber immer bleibt Loachs tiefer Humanismus erkennbar, seine eigene Handschrift, sein Anliegen aufzuklären, ohne zu missionieren. Und, wie er auch im Interview erzählt, das Vermitteln von Hoffnung, der Aufruf, sich nicht mit seiner Situation abzufinden, sondern den gesellschaftlichen Widrigkeiten so etwas wie Solidarität entgenzusetzen. Leider ist das eine Haltung, die im globalisierten Kino fast ausstirbt. Andreas Dresen ist allerdings einer der jüngeren europäischen Regisseure, die nicht allzu weit von diesem Stil entfernt sind.

ich glaube allerdings, dass es in unserer großen Gesellschaft immer Leute geben wird, die eine klare Ansage haben wollen. Nur, wo bekommt man die? Wo ist denn der relevante publizistische Bereich am linken Rand? Der ist komplett leer, da gibt es nichts mehr. Wir haben dort nur noch irrelevante Zeitungen wie das „Neue Deutschland“ oder die „Junge Welt“

Ein sehr interessantes Interview mit „Freitag“-Verleger Jakob Augstein.

Wandel oder Untergang?

Veröffentlicht: 17. März 2009 in Lesetipp, Online, Print
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„Manche sagen, es macht nichts, wenn Journalismus stirbt. Weil das Internet es mit Blogs usw. ersetzen wird. Das wäre, als sagee man, wir brauchen kein Gesundheitssystem mehr, die Menschen heilen sich selbst. Wir brauchen Menschen, die Fertigkeiten haben, Zeit und die Ressourcen, um Informationen aufzugreifen und zu vermitteln.“

„Guardian“-Autor Nick Davies sagt im Interview mit dem Standard noch andere kluge Sachen über die Zukunft des Journalismus.