Mit ‘WAZ’ getaggte Beiträge

WAZ-Gruppe kriegt die Quittung

Veröffentlicht: 21. August 2009 in Print
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Nachdem die WAZ-Gruppe im Juni den Einheits-Newsdesk für drei ihrer Zeitungen in NRW geschaffen hat, sind im Juli die Abozahlen massiv eingebrochen. Damit konnte natürlich niemand rechnen. Manchmal fragt man sich wirklich, wie bestimmte Führungskräfte eigentlich zu ihren Ämtern kommen, wo doch jeder, der über etwas gesunden Menschenverstand verfügt, deren Fehler schon im Voraus erkennen kann.

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Ergebnisse sonntäglicher Lektüre im Café:

1. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach scheint jetzt endgültig am Rad zu drehen. Nachdem diese Woche bekannt gegeben wurde, dass seine Zeitungsgruppe 300 Leute entlässt (die Unternehmensberatung hatte nur 275 empfohlen), findet er noch genug Zeit, einen 2 1/2-seitigen Artikel für „Cicero“ zu schreiben, indem er den Niedergang des Tageszeitungsjournalismus beklagt. Sein Fazit:

„Seitdem immer mehr Menschen einen immer größeren Anteil der Welt nur noch über die Medien erfahren, entscheiden diese über die gefühlte Bedeutsamkeit eines Themas. Das ist eine tägliche Herausforderung und eine tägliche Verantwortung. Da provozierte einer: „Du hast dir nichts vorzuwerfen. Deine Zeitung ist immer noch gut. Nur deine Leser wurden schlechter.“ Treue Gefolgschaft ist aus der Mode. Es gibt immer mehr „Laufkunden“. Viele leben auf Probe, flüchtig, bis zum Widerruf.“

Genau, wenn weniger Leute eine Zeitung kaufen/abonnieren, ist nicht die Qualität der Zeitung daran schuld, sondern der Leser, der zu blöd ist zu erkennen, was für ein Wahnsinnsqualitätsprodukt doch diese wunderbare Zeitung ist! Und ich habe immer gedacht, in einer Marktwirtschaft wäre es das gute Recht des Kunden, zu einem anderen Produkt zu wechseln, wenn ihm das alte nicht mehr gefällt. Mit der Logik Hombachs darf ich auch nicht meine Zahnpastamarke wechseln, sondern muss der alten auf ewig die Treue halten, auch wenn sie inzwischen nach Rhizinusöl schmeckt statt nach Pfefferminz.

Außerdem beklagt Hombach, dass immer mehr Redakteure dazu neigen, auf die Wünsche von Werbekunden einzugehen. Anscheinend hat der Mann keinen blassen Schimmer, was in seinem eigenen Verlag vor sich geht, in dem ganze Beilagen in externe Redaktionsbüros ausgegliedert werden, die dann Werbekunden-freundliche Artikel schreiben. Die ganze WAZ-Gruppe kann ich inzwischen nicht mehr ernst nehmen.

2) Niklas Maas trauert in der FAS (leider nicht online) der vertanen Chance nach,  in Deutschland eine  Zeitschrift zu machen, die der amerikanischen „Vanity Fair“ entspricht: anspruchsvolle Reportagen und bunter Lifestyle in einem Heft. Die deutsche VF sei dies am wenigsten gewesen, was aber nicht an unserem Land, sondern an der Konzeptlosigkeit und personellen Unterbesetzung der Redaktion gelegen hätte. Wir träumen also alle weiter und fragen uns bis dahin, warum Maas es denn nicht selbst versucht, wo doch seine Argumentation zu 95 Prozent richtig ist (wahrscheinlich aus dem gleichen Grund, aus dem ich keine Zeitschrift aufmache: no money). (Die 5 Prozent, wo er falsch liegt, sind übrigens die Behauptung, Heike Makatsch hätte das Zeug zum Star. Tut mir leid, aber wer den Trailer zu „Hilde“ sieht, bekommt nicht diesen Eindruck, sondern den, dass Makatsch nicht schauspielern kann und die Zeit der deutschen Weltstars seit mindestens 60 Jahren vorbei ist.)

„Die Idee der WAZ-Strategen dabei lautet, dass diese streng konservative Berichterstattung nur ein wenig ‘gebrandet’ werden müsse – und schon ginge sie auch einem Traditions-Sozen runter wie dem Katholiken seine Oblate. Mit Verlaub – einen solchen Bullshit kann sich wirklich nur ein Marketing-Mensch ausgedacht haben, der noch nie selbst einen Artikel verfasst hat, der daher auch Meinungen für bloße Waren hält, die man beim Eintritt ins Büro beim Pförtner abgibt….Ein Redakteur, gerade weil auch er nur einen Kopf hat, der kann nicht morgens fürs Neue Deutschland schreiben und abends für den Bayern-Kurier. Oder aber ein solch täglich verlangter Persönlichkeitswechsel würde ihn auf direktem Weg in den Suff führen, in die Psychiatrie oder gar in die Public Relations …“

Klaus Jarchow über die Pläne der WAZ-Gruppe, die Lokalteile der bürgerlichen Westfalenpost und der SPD-nahen Westfälischen Rundschau in Zukunft von nur noch einer Redaktion schreiben zu lassen. Sieht seit Monaten so aus, als habe die WAZ es noch eiliger, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln, als andere Regionalzeitungen.


Crisis. What crisis?

Veröffentlicht: 11. Februar 2009 in Allgemeines, Journalismus
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Erst war es eine Immobilien-, dann eine Finanz- und seit Neuestem ist es schon eine Weltwirtschaftskrise. Else Buschheuer hat neulich in ihrem Tagebuch darüber sinniert, an was wir uns wohl erinnern werden, wenn wir in vielen Jahren gefragt werden, wie es denn war, während der Wirtschaftskrise gelebt zu haben. Bisher merke ich persönlich nichts von irgendwelchen Auswirkungen: Geld hatte ich auch vorher zu wenig und der journalistische Arbeitsmarkt schien mir ebenfalls schon seit längerem am Boden. Die Waren in den Regalen werden eher billiger als teurer. Wenn ich nicht täglich etwas über die WAZ oder Schaeffler lesen würde, würde ich von einer Krise nichts bemerken. Vielleicht sollte ich dennoch anfangen, eher im klassischen Tagebuchstil früherer Tage zu bloggen. So dass ich dann, wenn mich in 20 Jahren jemand fragt, auf das Blog verweisen kann, wo sich dann alte Einträge finden wie etwa „Heute Morgen waren die Brotpreise auf 3000 Euro gestiegen. Abends leichte Magenverstimmung. Früh zu Bett.“

Passend zur Krise hier noch ein kleines Schmankerl, nicht nur für alle diejenigen, welche die DDR schon immer für das überlegene System gehalten haben: