Mit ‘Tageszeitung’ getaggte Beiträge

Lesetipp zur Zeitungskrise

Veröffentlicht: 15. Dezember 2009 in Lesetipp, Print
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„Vier Redakteure produzieren hier in Anklam vier Lokalausgaben und sind manchmal 100 Kilometer für einen Termin unterwegs: von Anklam bis Usedom, von Pasewalk bis Ueckermünde. Wenn mal einer krank wird, wissen sie nicht, wie sie die Seiten füllen sollen. Eine Wirtschaftsseite haben sie schon lange nicht mehr – zu aufwendig zu recherchieren, sagt Zarnekow, zu teuer. Dafür haben sie jetzt eine Babyseite, auf der sie Fotos von den Neugeborenen in der Umgebung drucken.

Sie betreuen nebenher das Lesertelefon, die Abonnenten, das Gewinnspiel. Seitdem der neue Geschäftsführer da ist, heißen sie in Hausmitteilungen nicht mehr Redakteure, sondern Content-Manager.“

Ein lesenswertes Dossier der „Zeit“ über die Krise des (Print-)Journalismus in Deutschland. (Das Beispiel oben dreht sich um den „Nordkurier“, eine Lokalzeitung, die in letzter Zeit vor allem damit von sich reden macht, dass sie Abmahnungen an Blogger verschickt.)

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Anfang des Jahres schrieb ich schon mal etwas über ein Pilotprojekt der Schweizer Post, eine individualisierte Wunschzeitung auf den Frühstückstisch zu bringen. Konnten damals nur 100 Testkunden an dem Projekt teilnehmen, könnte der Traum einer Tageszeitung, die man sich selbst zusammen stellen kann, nächsten Monat immerhin schon für 3,5 Millionen Menschen wahr werden. In Berlin startet am 16. November nämlich niiu.

Leser können dabei aus 16 deutschen und internationalen Zeitungen ihre Wunschinhalte auswählen (nach Ressorts, also z.B. das Feuilleton aus der FR, den Lokalteil aus der Berliner Morgenpost und den Lokalsport aus der Münchener Abendzeitung, weil man vielleicht früher mal in München gewohnt hat). Neu ist, dass man dazu auch noch aus Online-Inhalten wie Blogs, Internet-Portalen etc. auswählen kann, die dann ebenfalls ihren Weg in die gedruckte Zeitung finden (vielleicht nicht nur für Leute interessant, die sich eh alles im Netz erst ausdrucken, bevor sie es lesen).

Leider sind zum Start noch nicht so wirklich tolle überregionale deutsche Zeitungen vertreten. Also, BILD, Handelsblatt und Neues Deutschland sind nun nicht gerade die Titel, die ich als wichtigste Informationsquellen wählen würde, die Frankfurter Rundschau auch nur sehr bedingt. Die erste Liga der Überregionalen wie SZ und FAZ ist leider noch nicht im Angebot. Wer russisch kann, hat aber immerhin die Gelegenheit, sich Inhalte aus der Prawda zu wählen.

Positiv anzumerken ist noch, dass man kein festes Abo mit Kündigungsfristen einzugehen braucht, sondern ähnlich einem Prepaid-Handy ein bestimmtes Guthaben buchen kann, dass man dann Tag für Tag aufbrauchen kann. 1,80 Euro bzw. ermäßigt 1,20 finde ich als Preis eigentlich auch in Ordnung. Ich drücke dem Projekt auf jeden Fall die Daumen, damit es später einmal auf andere Städte ausgeweitet werden kann. Wenn dann wirklich SZ, FAZ, taz oder Zeit (ich weiß, ist keine Tageszeitung) dabei wären, würde ich zumindest über ein Abo nachdenken.

(Mit niiu hat sich auch schon Ulrike Langer in ihrem Blog beschäftigt.)

Dass BILD-Chefredakteur Kai Diekmann vor kurzem in die taz-Genossenschaft eingetreten ist, halte ich eher für eine clevere PR-Maßnahme in eigener Sache bzw. für die BILD. Dass er dann im roten Pulli mit verfremdetem Che Guevara-Motiv auf der Genossenschaftsversammlung auftauchte, ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass der Mann Humor hat, im Großen und Ganzen aber doch etwas peinlich.

Richtig schlimm für die taz wird es dann aber, wenn deren Geschäftsführung Diekmann zustimmt, mittelfristig müsse man für Zeitungsinhalte im Internet Gebühren verlangen. Leute, Leute, damit sind andere doch schon vor zehn Jahren gescheitert. So gut eure Artikel auch sein mögen, glaubt ihr ernsthaft, ausgerechnet taz-Leser – die nicht eh schon die Zeitung abonniert haben – werden in riesiger Zahl Online-Abos abschließen wollen? Mal ganz abgesehen davon, dass ihr euch mit einem solchen Schritt nicht gerade als Vorreiter für die digitale Zukunft präsentieren würdet. Und angeblich spielt die taz doch immer so gerne den Vorreiter bei gesellschaftlichen Entwicklungen.

WAZ-Gruppe kriegt die Quittung

Veröffentlicht: 21. August 2009 in Print
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Nachdem die WAZ-Gruppe im Juni den Einheits-Newsdesk für drei ihrer Zeitungen in NRW geschaffen hat, sind im Juli die Abozahlen massiv eingebrochen. Damit konnte natürlich niemand rechnen. Manchmal fragt man sich wirklich, wie bestimmte Führungskräfte eigentlich zu ihren Ämtern kommen, wo doch jeder, der über etwas gesunden Menschenverstand verfügt, deren Fehler schon im Voraus erkennen kann.

Zitat des Tages

Veröffentlicht: 24. Juni 2009 in Online, Print
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„‚Jugendliche sollen ein Gespür für die Qualität einer Information entwickeln‘, sagt er [Rüttgers]. Genau das aber könnte ja zum Problem für die Zeitungen werden. Die meiste Lokal- und Regionalzeitungen im Land sind in einem traurigen Zustand. Gerade jene Schüler, die sich mit der Nachrichtenlage auseinander setzen werden merken, dass da eine Lücke klafft zwischen dem Nachrichtenstand, den sie im Web bekommen und dem der Zeitung.“

Thomas Knüwer über die Pläne des NRW-Ministerpräsidenten, die Schüler im Lande ein Jahr lang kostenlos mit Zeitungsabos zu versorgen.

So kriegt ihr mich nie!

Veröffentlicht: 27. April 2009 in Print
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Letzte Woche flatterte mir ein Werbebrief der NRZ ins Haus, einer der drei Zeitungen, die (noch) einen Lokalteil für Düsseldorf haben. Er begann sinngemäß etwa so:

Für die meisten Menschen ist die Stadt, in der sie wohnen, nicht nur ein Wohnort, sondern ein Stück Heimat, in dem sie sich zuhause fühlen, ihre Nachbarn kennen, im Verein engagiert sind…“

Als ich das gelesen hatte, wollte ich den Verlegern am liebsten zurufen: „Das ist genau der Grund, warum ich euer Blatt nie abonnieren werde, genauso wenig wie irgendeine andere Regionalzeitung!“ Die Zielgruppe, die mit solchen Sätzen erreicht wird, sind mMn die über 50-Jährigen, die seit mindestens 20 Jahren in derselben Stadt wohnen, eine feste Arbeitsstelle haben, eine Familie, und die auch nicht vorhaben, nochmal irgendwo anders hin zu gehen.

Ich bin in den letzten 12 Jahren acht Mal umgezogen, habe in vier verschiedenen Städten (und, wenn ich mein Auslandssemester mitzähle, in zwei Ländern) gewohnt, habe nie in einem Stadtteil länger als zwei Jahre gewohnt, bin nun zufällig wieder in meiner Heimatstadt gelandet, würde aber genauso schnell wieder wegziehen, wenn ich in einer anderen Stadt z.B. einen Job finden würde. Ich sehe meinen Etagennachbarn einmal in drei Monaten im Flur, die anderen Leute im Haus kenne ich nicht mal vom Namen her. Ich war noch nie in einem Verein, hasse Brauchtumsrituale wie Karneval und Schützenfeste, bin letztes Jahr zum ersten Mal seit 13 Jahren an meiner alten Schule gewesen, und das auch nur, weil ich da zu einem beruflichen Termin musste. Meine Freunde und Bekannten sind über ganz Deutschland verstreut, die meisten, mit denen ich noch Kontakt habe, immerhin im Umkreis von 50 Kilometern. Hier in meiner Heimatstadt habe ich zu fast niemandem mehr Kontakt. Mich interessiert weder, was im örtlichen Sportverein noch was im Kindergarten an der Ecke los ist. Wieso um alles in der Welt sollte ich euer Lokalblättchen abonnieren, wenn ihr doch denkt, die jeweilige Heimatstadt müsste für eure Leser der Nabel der Welt sein und weiter als bis zum SPD- oder CDU-Ortsverein reiche sein Blick sowieso nicht? Mit dieser Haltung werdet ihr nie neue, junge Leser gewinnen, sondern mit den alten und älter werdenden dahin sterben. Zurecht, solange ihr das nicht versteht.

Die taz ist jetzt wirklich grün

Veröffentlicht: 18. April 2009 in Print
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„Die taz? Führen wir nicht mehr, kauft doch eh keiner mehr“, erwiderte einmal ein unfreundlicher eigenwilliger Kioskbesitzer auf meine Nachfrage, „die wählt doch eh keiner mehr, die Partei!“ Häh, welche Partei, fragte ich mich, „Die Linke“, DKP, MLPD, wen meint der Typ bloß? Bis mir klar wurde, dass er von den Grünen sprach. Tatsächlich hatte ich die taz seit Jahren gar nicht mehr mit dieser Partei assoziiert. (Was ein Fehler war: Tatsächlich wählt die Mehrheit der Leser wohl immer noch grün, wie ich mal irgendwo gelesen habe.)

Seit heute ist die taz nun wirklich grün, zumindest in der jetzt durchweg farbigen Samstagsausgabe. Wie das werktags wird, weiß man noch nicht. Das neue Layout wirkt etwas altbacken, mich erinnert es teilweise arg an die alte FR. Mintgrün als Unterlegfarbe bei Rubrikentiteln und Vorspännen ist nun wirklich nicht mein Ding. Gut, bei der FR war’s früher noch schlimmer, da gab’s ein halbes Dutzend verschiedener Grüntöne bei Überschriften und Hintergründen. Aber das soll nun modern sein? Inhaltlich finde ich die taz von heute wesentlich uninteressanter als die letzte „alte“ Wochenendausgabe von letztem Samstag, das kann aber natürlich auch Zufall und der Themenlage geschuldet sein. Teurer ist die Samstags-taz jetzt auch. Mit 2 Euro 30 hat man sogar die SZ überholt. 2,30 für eine Tageszeitung? Ich weiß nicht, anscheinend gehören die taz-Leser echt mehrheitlich zu den Besserverdienenden.

Was ich bisher auch noch nicht wusste: Es gibt ein taz-Watchblog. Interessant.

1979 begründete eine WG ihre Abokündigung der taz mit dem schönen Satz: „Diese Regelmäßigkeit, mit der die taz täglich erscheint, strukturiert die Tage so künstlich, das mißfällt uns eben.“ Dieser Brief findet sich in einem Rowohlt-Taschenbuch von 1999, in dem einige der kontroversesten Leserbriefschlachten der ersten 20 Jahre taz-Geschichte versammelt sind: „Macker! Schlampe! Heuchlerbande!“ Um die großen Themen der 80er und 90er Jahre geht es da: Golfkrieg, RAF, Anti-AKW- und Frauenbewegung, südamerikanische Befreiungsbewegungen.

Einige Debatten werfen durchaus grundsätzliche und noch immer bedeutende Fragen auf: Darf Gewalt ein Mittel zum Widerstand sein oder ist  Pazifismus in jedem Fall vorzuziehen? Soll eine alternative Zeitung gesellschaftlichen Gegenbewegungen Platz zur Verfügung stellen, um subjektiv über ihre Themen zu berichten oder ist eine objektive Berichterstattung von Journalisten in jedem Fall angebrachter? Einige der Debatten und Argumente sind aber aus heutiger Sicht überhaupt nicht mehr nachvollziehbar und wirken oft unfreiwillig komisch.

So findet sich unter der schönen Überschrift „Revolutionäre Heimwerker“ eine Debatte um AKW-Gegner, die als Mittel des Widerstandes  Strommasten mit Metallsägen umsägten. Auf die Interview-Aussage eines Aktivisten: „Trotzdem muss man wegen des Kurzschlusses so abhauen, daß man immer nur kleine Schritte macht und dabei immer ein Bein auf dem Boden behält.“, antwortet eine „Berufsgenossenschaft der Heimwerker“ mit dem guten (und ernstgemeinten) Rat: „hüpfen; also immer nur einen Fuß auf dem Boden haben. Oder mit beiden Beinen gleichzeitig springen.“ Gerne stelle ich mir vor, wie die Aktivisten auf einem Bein hüpfend vor der Polizei flüchten.

Die skurrilsten Blüten treiben die Diskussionen allerdings, wenn es um Gender-Fragen geht. So stellte 1981 eine Frauengruppe einen Forderungskatalog auf, der u.a. ein „Ausgehverbot für Männer ab 20 Uhr“ enthielt (damit Frauen sich ohne Angst abends auf der Straße bewegen können). Antwort eines männlichen Lesers: „Ich verpflichte mich schon heute, um 19.40 Uhr nach Hause zu gehen. Dann habe ich noch viel Zeit für meinen Papagei, er fühlt sich sehr vernachlässigt, und dann kann ich mir auch gemütlich das deutsche Fernsehprogramm ansehen.“ Ein pornographischer Text eines Autoren mit dem Pseudonym „Gernot Gailer“ führt nicht nur zu „Schwanz ab“-Rufen von Leserinnen, sondern auch zu heute ziemlich absurd zu lesenden Selbstbezichtigungen männerbewegter Leser, die beklagen, „19 Jahre Chauvinismus“ hätten sie ja erst zu dem gemacht, was sie wären, nämlich bemitleidenswerte triebgesteuerte Wesen, die heimlich Pornos gucken, was sie immer gleich mit Frauenverachtung gleich setzen. Eine ferne Welt tut sich hier für die heutigen LeserInnen auf, die Welt der Frauen- und Männergruppen, in denen alles ausdiskutiert werden musste, auch die intimsten Gefühle, und wegdiskutiert, wenn diese nicht den gängigen Vorstellungen von einem „guten linken“ Leben entsprachen. Schön gestrig auch Formulierungen wie „Ich fühle mich durch den Artikel als Frauenkörperbesitzerin persönlich beleidigt.“ Fehlt nur noch die Anrede „Liebe FrauenkörperbesitzerInnen“. Dass man Sexualität eh nicht auf Hetero- oder Homosexualität beschränken sollte, mahnt eine „Würzburger Runterholgruppe (WüRG)“ an: „Wir meinen, daß gerade, … in Eurer (unserer?) Zeitung auch einmal über Probleme der Autosexualität diskutiert werden  muß!“

Manche Diskussionen wünscht man sich wirklich nicht zurück. Auffallend ist aber doch, wie brav die taz in den letzten Jahren geworden ist. Von 1980 bis 1991 lief eine Spendenaktion, mit der unter den Lesern Geld für Waffen für die Guerilla in El Salvador gesammelt wurde. So fragwürdig das war: Was ist von diesem linken Geist geblieben? Wenn ich die aktuelle Samstagsausgabe der taz durchblättere, stoße ich auf genau zwei Seiten, auf denen ich Themen und Positionen finde, die so nicht in der SZ oder der FR auftauchen: die Meinungsseiten. Alles Andere ist zwar gut gemacht, teilweise überdurchschnittlich gut geschrieben, aber inhaltlich und thematisch Mainstream. Das einzig Alternative an der taz scheint noch ihre Organisationsform zu sein (Genossenschaft statt Großverlag, Redaktionsstatut, Frauenquote, Einheitslohn etc.). Publizistisch scheint sie seit der Regierungsbeteiligung der Grünen weitgehend im bürgerlichen Lager angekommen zu sein (wenn ich jetzt mal, was ich tue, voraussetze, dass auch die Grünen längst zum Bürgertum gehören).

Eine alternative Themensetzung, revolutionäre Ideen oder das Aufzeigen von Alternativen zum real existierenden Kapitalismus finden sich heute eher selten. Erstaunt hat mich vor einiger Zeit, als ich las, die Leserschaft der taz wähle noch immer zum Großteil grün. So wie die Grünen im Establishment angekommen sind, so ist wohl auch die Mehrheit der taz-Leserschaft älter und etablierter geworden. Statt in der WG lebt man in der Kleinfamilie, Atomstrom findet man immer noch böse, aber im Kapitalismus hat man sich längst ganz komfortabel eingerichtet. Wer sich für wirklich links hält, liest wahrscheinlich heute eher die „Jungle World“, den „Freitag“ oder die „junge welt“, falls man zu den Dogmatikern gehört. Wie links ist die taz noch?

„Question is: Do we need a DAILY newspaper?
It seems certain that we don’t need it, if it looks like the ones we have today.“

Thomas Knüwer will mit englischsprachigen Autoren ins Gespräch kommen, und schrieb deshalb einen englischen Text über seine Ansichten über die Zukunft der Zeitung. Zumindest, was die redaktionelle Seite angeht (das mit dem Anzeigengeschäft kann ich nicht beurteilen), hat er mit fast allem Recht. Auch ich finde, dass die Verleger genau den falschen Weg gehen, wenn sie die Texte immer kürzer, die Fotos immer größer und die Informationen immer oberflächlicher machen, wenn sie versuchen, dem Weltgeschehen von gestern und vorgestern hinterherzurennen, statt eigene Themen zu setzen und Hintergründe zu liefern, die man im Internet meistens eben nicht bekommt.

Wie man es richtig macht, zeigt seit Jahren „Die Zeit“, die auch Knüwer als Beispiel nennt. Auch die FAS ist ja ein wirtschaftlicher Erfolg. Ich denke, dass es diese (und ähnliche) Zeitungen sind, die die Zeitungskrise auch überleben werden. Andere Qualitätszeitungen wie SZ oder FAZ werden vermutlich irgendwann ihr Erscheinen auf ein oder zwei Mal in der Woche umstellen müssen. Die Masse der Regionalzeitungen wird in einigen Jahrzehnten hingegen nur noch als Marke im Internet existieren – wenn überhaupt. Spätestens wenn die Mehrzahl der heute 50-80-Jährigen weggestorben ist, wird es keine Zielgruppe für diese 08/15-Blättchen mehr geben. Wer heute als 20- oder 30-Jähriger keine Regionalzeitung liest, wird damit auch mit 40 oder 50 nicht anfangen. Und die Kiddies, die heute zur Schule gehen und mit StudiVZ und SpOn aufwachsen, schon gar nicht. Alles Andere ist sich selbst in die Tasche lügen von beratungsresistenten Verlegern.

Dass es trotzdem schade wäre, wenn es irgendwann gar keine oder nur noch ganz wenige Zeitungen gäbe, ist klar. Weil Print ein ganz anderes, auch optisches Erleben ermöglicht, als lange Artikel am Bildschirm zu lesen. Ob ich es allerdings vermissen würde, wenn es keine küchentischgroßen ausfaltbaren Altpapierstapel mehr zu lesen gäbe, wage ich zu bezweifeln. In ihrem jetzigen Format sind Zeitungen, insbesondere, wenn sie das Hamburger Format haben, wie „Zeit“, SZ und FAZ, ein Anachronismus, der eigentlich durch nichts zu rechtfertigen ist. Roger Köppel ist hier mit seiner „Weltwoche“ genau den richtigen Weg gegangen, indem er die traditionsreiche Schweizer Wochenzeitung auf das Magazinformat umgestellt hat. Auch die FR und ihr Tabloidformat könnte man als Vorbild nehmen, aber warum eigentlich immer noch auf Zeitungspapier und ungeheftet? Ich wage mal zu behaupten: Die Zukunft der Zeitung ist nicht nur inhaltlich das Magazin, sondern auch vom äußeren Erscheinungsbild her.