Mit ‘Stadtmagazine’ getaggte Beiträge

Für alle, die noch keine Mail von mir bekommen haben: Vor einigen Tagen ist SPEKTAKEL, mein neues Online-Stadtmagazin für Düsseldorf und Wuppertal online gegangen. Die Idee dahinter ist, ein lokales bzw. regionales Magazin zu machen, das sich von dem Einheitsbrei des Lokaljournalismus in den Tageszeitungen und deren Online-Portalen abhebt. Es sollen Themen angesprochen werden, die dort eher wenig bis gar keinen Platz bekommen, aus einer sozialen und jungen Perspektive. Das Magazin soll mal nicht die Generation 50+ ansprechen, wie das im Lokaljournalismus ja leider üblich ist, sondern in erster Linie die Jüngeren und Mittelalten. Ein bisschen ist das Ganze auch daraus geboren, dass ich ein klassisches „alternatives“ Print-Stadtmagazin wie den früheren Düsseldorfer „Überblick“ oder die Kölner „Stadt-Revue“ heute in D’dorf und W’tal schmerzlich vermiss(t)e.

Im Moment ist die Seite noch sehr Düsseldorf-lastig, ich hoffe und denke aber, dass in den nächsten Wochen auch der eine oder andere interessante Artikel mit Wuppertaler Thematik hinzu kommt.  Themenvorschläge sind ebenso wie Feedback natürlich immer willkommen.

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Zugegeben, diese Woche ist das Blog sehr taz-lastig. Das könnte daran liegen, dass die taz, seit sie von ihren jungen Unterprivilegierten gemacht wird, (wieder) richtig lesenswert ist. Gestern gab es einen interessanten Artikel über den Niedergang der einst linken Stadtmagazine, die heute überwiegend entweder angepasste Mainstreamblätter geworden oder bereits eingestellt sind (wobei oft auch ersteres dem letzteren voran ging, wie etwa bei „Marabo“ im Ruhrgebiet und dem „Überblick“ in Düsseldorf). René Martens schreibt dazu:

„Der Niedergang der Stadtmagazine – zwar nicht nur, aber auch bedingt dadurch, dass man unter finanziellem Druck Kernkompetenzen aufgegeben hat – wirkt aus heutiger Sicht wie ein Vorbote des Qualitätsverlusts bei etablierten Zeitschriften und Zeitungen in den Nullerjahren.“

Einen Großteil der Schuld gibt Martens übrigens dem „Prinz“ (oberflächlich) und dem „Coolibri“ (kostenlos).

Außerdem schrieb Helmut Höge darüber, dass die taz als bundesweites Projekt im Grunde die meisten linken Zeitungen in den Städten und Regionen kaputt gemacht hat. Was doppelt schade sei, da von dem eigenen linken Anspruch auch nicht mehr viel übrig sei.

„Im übrigen war die taz  kurzzeitig auch mal ein “Sprachrohr” der Pädophilen und sammelte “Waffen für El Salvador”-Spenden  – beides gilt heute als schwer verwerflich, auch in der taz.“

Nachtrag zum gestrigen Artikel über Stadtmagazine: Wie sich die Zeiten geändert haben, kann man sehr schön sehen, wenn man sich mal die bewegte Geschichte des „Pflasterstrand“ durchliest und anschließend die Webseite von dessen Nachfolgezeitschrift ansieht. Wo einem dann u.a. MySpace-ähnliche Benutzerfotos von weiblichen  Community-Mitgliedern entgegenstrahlen, die meinten, unbedingt ihren (?) Arsch vor die Kamera halten zu müssen.  Vom Anti-Sexismus zum Selbstentblößungsforum in 30 Jahren.

Eines meiner Lieblingsthemen,was Zeitschriften betrifft: Warum gibt es fast keine gut gemachten Stadtmagazine mehr, die eine fundierte politische und kulturelle Berichtertattung bieten, und somit  eine echte Alternative zur langweiligen Lokalpresse sein könnten?

Die späten 70er und frühen 80er waren die Blütezeit der Stadtillustrierten: In den meisten deutschen Großstädten gründeten sich ein oder mehrere solcher Titel, die nicht nur über das kulturelle Leben in der jeweiligen Stadt berichten wollten, sondern meistens auch einen irgendwie alternativen gesellschaftlichen Hintergrund hatten – 68 ließ grüßen: die Westberliner Zitty, die Kölner Stadt-Revue, der Düsseldorfer Überblick, der Frankfurter Pflasterstrand, aus dem dann später das Journal Frankfurt hervorging usw. Hinzu kamen noch die gratis verteilen Magazine wie Coolibri, Biograph (in Düsseldorf), Choices (in Köln) etc.Teilweise wollten diese Magazine eine Alternative zur etablierten Lokalzeitung bieten, die ja meist doch nur die älteren Generationen anspricht, teilweise versuchte man auf dieser alternativen Spielwiese, auch dem Premium-Journalismus Konkurrenz zu machen, indem man begabte Schreiber und Blattmacher sich austoben ließ, mit großen Reportagen und Essays, ausgeflippten Fotostrecken u.ä.

Der Düsseldorfer „Überblick“ war z.B. in den frühen 80ern unter Chefredakteur Hubert Winkels (der dann später u.a. bei Premiere „0137“ moderierte und Literatursendungen im Deutschlandfunk) ein Blatt, für das nicht nur Autoren wie Dietrich Dieterichsen schrieben, sondern dass auch einen ganz neuen, frischen Geist atmete: Hier fanden sich lange Filmbesprechungen, politissche Essays und Lifestylethemen, lange bevor es Lifestyle- und Zeitgeistmagazine überhaupt gab. Man merkte, dass die Macher und Autoren eine Vison und einen Anspruch hatten, dass sie sich selbst nicht an der Rheinischen Post, sondern eher am (US-)Rolling Stone messen lassen wollten –  oder am New Yorker.

Und heute? Der „Überblick“ ist längst eingestellt, nachdem er in den späten 80ern zu einer ganz normalen Programmillustrierten verkommen war, das Ruhrgebietsmagazin Marabo wurde vor kurzem vom Markt genommen, lediglich in Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt können sich die klassischen Stadtmagazine noch einigermaßen behaupten. Die Stadt-Revue in Köln ist so ziemlich das einzige mir bekannte Beispiel, wo man seinem eigenen alternativen Anspruch noch treu geblieben ist (Was ist mit der Zitty? Hab ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr in der Hand gehabt.). Überall anders regiert der Prinz, das Pseudo-Stadtmagazin für den jungen großstädtischen Schicki-Micki, bei dem weitgehend alle Ausgaben gleichgeschaltet sind (So gibt es seit einiger Zeit überall das gleiche Titelthema, die Redaktionen in den einzelnen Städten dürfen dieses dann nur noch auf ihre jeweilige Stadt „runterbrechen“.).

Auch der Coolibri, die auflagenstärkste (Gratis-)Stadtillustrierte in NRW scheint seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast zu sein. Kaum noch längere Artikel, immer weniger Mitarbeiter und weitgehende Einfallslosigkeit. Man füllt halt monatlich seine Rubriken und den Terminkalender. Immerhin hat der Coolibri es Anfang des Jahres endlich geschafft, eine Webseite frei zu schalten, die diesen Namen auch verdient. Das wirft allerdings auch die Frage auf: Braucht in Zeiten des Internets noch irgendjemand eine gedruckte Stadtillustrierte? Veranstaltungsseiten gibt es im Netz en masse, und Kritiken zu neuen Kinofilmen, Theaterstücken, Ausstellungen etc. auch.

Ihr habt es nicht anders erwartet: Meine Antwort heißt natürlich: Ja! Ich denke, gerade heute wäre eine Alternative zum Einheitsbrei der meisten Lokalzeitungen nötiger als je zuvor. Nachdem die taz NRW gescheitert ist, ebenso der SZ-NRW-Teil, nachdem die Konzentration auf dem Tageszeitungsmarkt voranschreitet, nachdem man in den meisten Großstädten NRWs nur noch die Wahl hat zwischen Pest und Cholera, wenn man sich darüber informieren will, was vor Ort so politisch und kulturell los ist. Die kostenlosen Magazine könnten hier eine Nische besetzen, die sonst keiner mehr besetzen will oder kann. Der noch recht neue „engels“ in Wuppertal macht seit einiger Zeit vor, dass es durchaus erfolgversprechend sein kann, sich nicht auf das Abdrucken von Kino- und Theaterprogrammen und einen Terminkalender zu beschränken, sondern auch in lokale Berichte zu investieren. So etwas auf mehr Seiten, mit einem besseren Layout, größeren Fotos etc. und dann für das ganze Rheinland vom Niederrhein bis nach Bonn und von Mönchengladbach bis Dortmund – so etwas würde ich gerne lesen. Und vermutlich sogar Geld dafür ausgeben. Eine inhaltliche Mischung aus taz NRW und dem „Überblick“ der frühen 80er, das wäre sogar ein Traum. Wenn’s nicht irgendwann jemand macht, muss ich es vermutlich doch eines Tages selbst machen.