Archiv für Juni, 2009

Noch ein absurdes Beispiel dafür, wie die FAZ bei ihren eigenen Mitarbeitern mit dem Urheberrecht umgeht.

(via)

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ich glaube allerdings, dass es in unserer großen Gesellschaft immer Leute geben wird, die eine klare Ansage haben wollen. Nur, wo bekommt man die? Wo ist denn der relevante publizistische Bereich am linken Rand? Der ist komplett leer, da gibt es nichts mehr. Wir haben dort nur noch irrelevante Zeitungen wie das „Neue Deutschland“ oder die „Junge Welt“

Ein sehr interessantes Interview mit „Freitag“-Verleger Jakob Augstein.

Glückwunsch, ByteFM!

Veröffentlicht: 25. Juni 2009 in Online, Radio
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„‚I am a DJ, I am what I play‘, sang David Bowie, bevor der kommerzielle Umbruch der Radiosender den geschmacksbildenden Radio-DJ durch den chartgesteuerten Computer ersetzte. Dass erst ein neues Medium genau das auferstehen lässt, was viele mit Wehmut an die früher vor dem alten Medium verbrachten Stunden zurückdenken lässt, mag Ironie des Schicksals sein.“

Die Jury des Grimme Online Awards über das Webradio ByteFM, das gestern den Publikumspreis in der Kategorie „Spezial“ gewann. Ein schöner Erfolg für dieses wirklich sehr empfehlenswerte Radioprogramm, das ich allen ans Herz legen möchte, denen Musik noch mehr bedeutet.

Zitat des Tages

Veröffentlicht: 24. Juni 2009 in Online, Print
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„‚Jugendliche sollen ein Gespür für die Qualität einer Information entwickeln‘, sagt er [Rüttgers]. Genau das aber könnte ja zum Problem für die Zeitungen werden. Die meiste Lokal- und Regionalzeitungen im Land sind in einem traurigen Zustand. Gerade jene Schüler, die sich mit der Nachrichtenlage auseinander setzen werden merken, dass da eine Lücke klafft zwischen dem Nachrichtenstand, den sie im Web bekommen und dem der Zeitung.“

Thomas Knüwer über die Pläne des NRW-Ministerpräsidenten, die Schüler im Lande ein Jahr lang kostenlos mit Zeitungsabos zu versorgen.

So werden journalistische Trends geschaffen

Veröffentlicht: 17. Juni 2009 in Journalismus
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„‚Immer mehr‘ heißt im Journalismus, dass es zwei Mal passiert ist.“

Holger Klein gestern in der YouFM-Nightline.

Print lebt: Aufstieg und Fall Nr.1

Print lebt: "Aufstieg und Fall" Nr.1

Print ist tot, hört man allerorten. Einige Optimisten scheint das nicht weiter zu interessieren, denn ständig werden neue Nischen-Magazine gegründet. Nach „Missy“ und „Cargo“ liegt seit Montag ein weiteres neues Magazin an den Bahnhofskiosken der Republik: „Aufstieg und Fall“ sieht ähnlich aus wie „DUMMY“, soll ebenfalls monothematisch sein, und setzt den Trend zu sperrigen Magazinnamen fort, den der (inzwischen von Springer wieder eingestellte) „Humanglobale Zufall“ im vergangenen Jahr eingeläutet hat. Der Titel ist laut meedia.de bei der US-Autorin und Gesellschaftkritikerin Flannery O´Connor entlehnt, die in den 60er Jahren ein Buch mit dem Titel „Everything that rises must converge“ veröffentlichte. Im ersten Heft geht es um genau das, ums Aufsteigen und Abstürzen.

Wie gesagt, beim Durchblättern erinnert das Heft stark an „DUMMY“: Lange Texte wechseln sich mit Fotostrecken ab, thematisch geht es um Gesellschaft und Kultur, das ganze ist schlicht-stylish gelayoutet und auf dickem Papier gedruckt. Auffällig ist, dass zwei Texte auf Englisch abgedruckt sind; hinten im Heft finden sich dann die deutschen Übersetzungen. Zumindest eine der Autorinnen der Debütausgabe ist halbwegs prominent: Ariadne von Schirach tingelte vor zwei Jahren mit ihrem Buch „Der Tanz um die Lust“ durch die Talkshows, in dem es um unsere übersexualisierte Gesellschaft ging. Hier bleibt sie ihrem Lieblingsthema treu und schreibt übers Hochschlafen.

Hinter „Aufstieg und Fall“ steckt mal wieder kein Großverlag, sondern wie bei o.g. Magazinneugründungen und wie auch bei „DUMMY“ eine Gruppe Idealisten, die das Magazin im Selbstverlag herausgeben, mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren, alle drei Monate neu. Ungefähr so würde ich es auch machen, wenn ich das Geld hätte. Während Bauer, Burda, Springer & Co. jammern, dass ihr EBIT sinkt und die Anzeigenkunden ins Internet wandern, und deshalb alles wieder einstellen, was weniger als 100.000 Stück verkauft, kommen die Innovationen auf dem Zeitschriftenmarkt in den letzten Jahren fast immer von Klein- und Selbstverlagen. Print ist lebendig wie eh und je, wenn es nur gut gemacht ist.

Yesterday’s Papers (II): Twen

Veröffentlicht: 15. Juni 2009 in Allgemeines
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Eine gute Frage: Twen vom Juli 1970

Eine gute Frage: "Twen" vom Juli 1970

Eine Zeitschrift, für die ich zu jung war, um sie noch mitzubekommen, war die „Twen“. Man stößt allerdings immer wieder mal in Büchern auf diese wohl erste deutsche Lifestyle-Zeitschrift für junge Erwachsene, die von 1959 bis 1971 erschien (Anfang der 80er gab es dann noch mal einen erfolglosen Relaunch). Wim Wenders hat für sie geschrieben, Jörg Fauser hatte einmal eine Titelstory über Drogen, deren Entstehungsheschichte er sehr anschaulich in seinem autobiographischen Roman „Rohstoff“ beschreibt: Abgesehen davon, dass er sowieso eine jahrelange Drogenkarriere hinter sich hatte, fuhr er unter anderem zu William S. Burroughs, um ihn zum Thema zu interviewen.

Am WE habe ich auf dem Düsseldorfer Bücherbummel mal wieder ein paar Hefte gesehen, u.a. das oben abgebildete. Ich kann die Faszination aus heutiger Sicht nicht so ganz nachvollziehen; die Themen erinnern mich teilweise eher an „Coupé“ oder „Bravo“. Wahrscheinlich muss man einfach dabei gewesen sein; mit meiner „TEMPO“-Begeisterung ist es vermutlich ähnlich. Die versteht wohl auch kaum einer, der nicht in den 80ern/frühen 90ern jung war. Vor allem scheint „Twen“ auch auf Designer einen nachhaltigen Einfluss ausgeübt zu haben. In entsprechenden Blogs findet man dazu heute noch einige Einträge.

Im aktuellen „journalist“ findet sich ein längerer Artikel über das TV-Magazin-Projekt „Programm„, über das ich schon einmal geschrieben hatte. Die Erfinder desselben zeigen sich darin sehr frustriert, weil sie unter all den Verlagen, die sie angesprochen haben, niemanden fanden, der ihre alternative Fernseh- und Kultur-Programmzeitschrift finanzieren wollte. Und ohne Geldgeber sei das angeblich nicht möglich. Irgendwie ist da immer die Rede von Investitionskosten im Millionenbereich.

Dass das für Projekte von Großverlagen wie Bauer, Burda und Springer so ist, ist klar. Ohne Marktforschung und Marketing-Großoffensive bringen die ja gar keine neue Zeitschrift auf den Markt. Aber bei einem Magazin, das sich von Anfang an nur an eine überschaubare Zielgruppe von vielleicht 40.000 Leuten richten soll, eher an weniger? Wie schaffen es denn vergleichbare Minderheitenmagazine wie DUMMY oder „Cargo“, ihre Hefte zu drucken und zu vertreiben? Hinter denen stecken ja auch keine finanzkräftigen Großverlage, sondern GbRs. Beide sehen nicht nur professionell, sondern sogar sehr stylish aus und scheren sich wenig bis gar nicht um Marktkonformismus. (Die Themen in „Cargo“, dessen zweite Ausgabe gerade erschienen ist, sind selbst mir als Cinephilem etwas zu elitär; der gemeine Kinogänger dürfte sich da eher gar nicht angesprochen fühlen.) DUMMY z.B. hat sich ja durchaus am Markt etabliert, ebenso wie „brand eins“, „11 Freunde“ etc. Alles Zeitschriften, die für ihr Marktsegment sehr ungewöhnlich sind, sich an eine eher kleine Zielgruppe von anspruchsvolleren Lesern wenden, auch eher im oberen Preissegment angesiedelt sind. Und die es ohne großen Werbeetat geschafft haben, eine treue Leserschaft aufzubauen. Warum soll das bei einer alternativen Programmzeitschrift für 2 Euro 50 nicht klappen? Weil es keine anspruchsvollen TV-Zuschauer gibt? Vielleicht sollten die „Programm“-Schöpfer einfach mehr Mut aufbringen.

Das Ende der Meinungsvielfalt in Darmstadt

Veröffentlicht: 5. Juni 2009 in Print
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Ganz Darmstadt wird von einem übermächtigen Zeitungskonzern dominiert. Ganz Darmstadt? Nein, ein kleines Häufchen Journalisten setzt dem  „Darmstädter Echo“ noch eine eigene Berichterstattung entgegen. Allerdings nur noch bis zum 1. Juli. Dann schließt die Frankfurter Rundschau ihre Lokal- und Regionalredaktion. Die Darmstadt-Seiten sollen dann von einer Tochtergesellschaft des Echo-Verlags erstellt werden, die hauptsächlich Artikel aus dem „Echo“ übernehmen wird. Damit ist die lokale Meinungsvielfalt de facto dahin, die FR zieht sich damit endgültig aus der Lokalberichterstattung außerhalb Frankfurts zurück. (In Wiesbaden gibt es noch eine Regionalredaktion, fragt sich nur, wie lange noch.) Mit der Umstellung auf das Tabloidformat 2007 hatte die FR ihre Lokalseiten schon drastisch ausgedünnt, ebenso wie die Außenredaktionen. Eine Stellungnahme der Gewerkschaft dju in Verdi findet sich hier.

Die Schließung der Darmstädter FR-Redaktion macht mich persönlich traurig, weil ich dort mein erstes längeres journalistisches Praktikum absolviert habe. Ich empfand die Art des Lokaljournalismus, die dort praktiziert wurde, als sehr engagiert und in ihrer Themenmischung angenehm anders als die übliche 08/15-Berichterstattung der meisten Lokalzeitungen. Statt um Karneval und Schützenverein ging es eher um soziale Initiativen und engagierte Bürger. Nun wird also auch in Darmstadt die Zeitungslandschaft gleichgeschaltet. Ob das der angeschlagenen FR hilft, in Südhessen Boden gut zu machen, darf stark bezweifelt werden.