Archiv für die Kategorie ‘Lesetipp’

Lesetipp: Klaus Lemke im Interview

Veröffentlicht: 24. März 2012 in Film, Lesetipp
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Ein längeres, herrlich launisches Interview mit dem wohl letzten Anarcho-Filmer Deutschlands bei „Deadline“. Als Figur finde ich ihn wunderbar (weswegen auch ein doppelseitiges Foto mit ihm in seiner Wohnung – in der es anscheinend keine Möbel gibt, sondern nur Kartons und Ordner auf dem Fußboden – an meiner Wand hängt), als Regisseur kann ich ihn leider kaum beurteilen, weil seine Filme, von denen er einen nach dem anderen raushaut, ja nie regulär irgendwo laufen oder auf DVD erscheinen.

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Heute mal ganz old school zwei Print-Lesetipps: In der aktuellen „brand eins“ findet sich zum einen eine sehr gute Reportage über die Frage, warum der erfolgreiche Popjournalist Marc Fischer Suizid beging. Darin geht es u.a. um die TEMPO-Jahre, erfundene Figuren in Artikeln und die Einsamkeit des „Kriegsberichterstatters“  inmitten der hippen Berliner Kulturszene. Schönes Zitat (sinngemäß): „Wer sich um Frau und Kinder kümmert, bleibt in Nürnberg wohnen, die anderen gehen nach Berlin.“

Zum anderen gibt es noch einen recht aufschlussreichen Artikel über IKEA, sein Erfolgsrezept und die Schattenseiten seines Geschäftsmodells. Hat mir sehr aus der Seele gesprochen, nachdem ich neulich beim Versuch, ein Regal auszusuchen, sehr genervt war. Ich glaube auch immer mehr, dass das Geschäftsmodell im Grunde auf Blendung des Kunden basiert – Marketing 1, Service 5. Oder wie es der Artikel in Anspielung auf die Hotline formuliert: „Fluchst du noch oder telefonierst du schon?“. Außerdem möchte ich nicht während meines Einkaufs von Lautsprecherdurchsagen und Hinweisschildern permanent in vertraulichem Ton dazu aufgefordert werden, doch bitteschön mitzuarbeiten („Mach dir Notizen!“, „Miss deinen Stoff selbst ab!“ etc.). Aber die Köttbullar sind lecker, das muss ich zugeben…

P.S.: Wem 7,60 Euro für die Zeitschrift wie mir auch zu teuer sind und wer dann kein hippes Szenecafé in der Nähe hat, das sie ausliegen hat, kann die Texte ab Erscheinen der nächsten Ausgabe dann auch online lesen.

Im aktuellen „Fandom Observer“ (einem traditionsreichen SF-Fanzine) findet sich eine hoch interessante Titelgeschichte über Buchblogger, negative Rezensionen und darüber, wie Autoren und Verleger mit diesen umgehen. Ich muss den Kommentatoren im FO-Blog Recht geben: Der Artikel ist tatsächlich hervorragend recherchiert und könnte im Grunde auch im „Spiegel“ stehen. Anlass waren unfassbare Vorwürfe eines Buchautors und seiner Verlegerin, die einer Bloggerin nach einem Verriss  in den Kommentaren mit rechtlichen Schritten drohten. Was es nicht alles gibt…

Videotipp: „Die Hartz-Maschine“

Veröffentlicht: 23. November 2011 in Lesetipp, TV
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Journalistisch und in den Lösungsvorschlägen manchmal etwas fragwürdig, aber diese NDR-Reportage, die man sich zzt. noch in der Mediathek ansehen kann, zeigt ganz schön den Irrsinn des Weiterbildungszirkus‘ und anderer Institutionen, die am Hartz IV-System Geld verdienen. Ich hätte dann übrigens als Nächstes gerne den Theater-Workshop. 😉

Videotipp: „Bad Boy Kummer“

Veröffentlicht: 28. Oktober 2011 in Film, Journalismus, Lesetipp, Print
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Zurzeit in der arte-Mediathek: der Dokumentarfilm über Tom Kummer. Irgendwie finde ich immer noch, dass Kummer mit fast allen seinen Aussagen Recht hat. Und die Ausschnitte aus seinen gefakten Interviews in dem Film sind alle großartig (Tyson über Nietzsche und Tolstoi, Bronson über Orchideenzucht und Pamela Anderson über Abnehmen und Schönheitswahn). Muss mal gucken, ob man die Interviewsammlung noch billig im Netz bestellen kann.

Lesetipp: Das Leben in den Zeiten der Kohl-Ära

Veröffentlicht: 14. Juli 2011 in Lesetipp, Politik
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Vor der Schaffung des neuen, größeren Deutschland und dem Erwachen in Sozialabbau, Krieg und Krisen war die Bundesrepublik in einen langen Schlaf mit schweren Träumen gefallen. Man nannte diese Phase die „Ära Kohl“.

Georg Seeßlen im „Freitag“ mit einer brillianten Analyse des Phänomens Helmut Kohl, wie er unsere Gesellschaft geprägt hat, und der bangen Frage, ob Merkel nicht die Fortsetzung des Systems Kohl mit anderen Mitteln ist. Ich denk ja mittlerweile, dass die Regierung Kohl politisch fast noch harmlos war im Vergleich zu dem, was danach kam. Moralisch und habituell ging der Mann natürlich überhaupt nicht. Oder wie es neulich ein Anrufer bei WDR 5 ausdrückte: „Politisch mag er seine Verdienste haben, aber menschlich halte ich ihn für verabscheuungswürdig.“

 

 

Im Lokalen sind wir aber inhaltlich schon fast gleichwertig im Umfang und häufig investigativer, aktueller und exklusiver – wir verzichten auf viele Gefälligkeitsnachrichten, die eine Zeitung aus lauter Verzweiflung veröffentlicht, um die Seiten zu füllen. Das hat mit Journalismus schon lange nichts mehr zu tun.

Unsere Geschichten sind dann fertig, wenn sie fertig sind und nicht, wenn der Andruck beginnt.

Ich würde Hardy Prothmann ja mit fast allem zustimmen, nur bei mir selbst hat das Modell leider finanziell überhaupt nicht geklappt. Vielleicht war ich bei der Anzeigenakquise nicht hartnäckig genug, vielleicht ist es auch in einer Großstadt, die doch noch ein einigermaßen vielfältiges Angebot an lokalen Medien hat, einfach schwieriger als in einem Nest mit einer Monopolzeitung, Leser zu gewinnen. Momentan plane ich jedenfalls tatsächlich ein Print-Projekt (allerdings kein lokales). Das ist mMn die zweite Zukunftsstrategie: ein Nischenthema im Printmarkt zu besetzen. Jedenfalls bin ich mir relativ sicher, dass Zeitschriften wie DUMMY, brand eins oder 11 Freunde auch dann noch existieren werden, wenn es den Mannheimer Morgen und die NRZ schon nur noch als Marken im Netz gibt.

(via)

Lesetipp: Die Lehren aus kino.to

Veröffentlicht: 13. Juni 2011 in Film, Lesetipp, Online
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Unrechtbewußtsein kann man dabei nicht erwarten, denn wie kann es unrecht sein sich z. B. die aktuellen Folgen einer Serie für Umsonst runter laden zu müssen, weil man sie selbst für Geld nicht kaufen DARF, weil ein Rechteverwerter der Meinung ist, in Deutschland soll man gefälligst noch warten?

Stefan Meiners bei Xtranews. Auch sonst kann ich dem Artikel  voll und ganz zustimmen. (via)

Lesetipp: Dominik Graf im Interview

Veröffentlicht: 29. Mai 2011 in Film, Lesetipp, TV
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Today, it seems that as a result of the Wende fear has returned to Germany—the distress, the silence; all of a sudden, people once more refuse to look each other in the eye lest the other might beat you up if you look at him for too long. In other words, there is a desire to be left alone, so the blinds go down again.

Dominik Graf in einem großartigen, sehr ausführlichen Interview mit dem australischen Online-Filmmagazin „Senses of Cinema“.  (via) Es geht u.a. um die (Un-)Möglichkeit, Polizeifilme in Deutschland zu machen, die Konditionierung des Publikums durch das deutsche Fernsehen und Sprachlosigkeit im Neoliberalismus.

.. der Hedonismus lässt sich in diesem Fall gut mit der Jobsuche vereinbaren. … Ich bin auf Facebook aktiv, ich treffe mich mit Leuten, ich saufe auch mit Leuten. Das ist ja im Kulturbereich viel effektiver als Bewerbungen zu schreiben, das weiß meine Arbeitsvermittlerin auch.

Heiko Gogolin, Ex-Chefredakteur des gerade eingestellten Spielemagazins GEE in einem höchst interessanten Interview (Arbeitssuche und Hedonismus? Irgendwas mache ich wohl falsch.)