Mit ‘arte’ getaggte Beiträge

Das Faszinierende an dem Konzept der arte-Reihe „Durch die Nacht mit…“ ist ja, dass es, wenn die Chemie zwischen den beiden Akteuren stimmt, großartig sein kann, und wenn nicht, es aber auch furchtbar in die Hose gehen kann. Beides war jetzt in zwei kurz aufeinanderfolgenden Ausgaben zu sehen, die noch bei arte +7 zu sehen sein dürften: Die Folge am Dienstag mit Cosma Shiva Hagen und Mimi Müller-Westernhagen war eine der bisher besten, die Chemie stimmte, in Cosma Hagen hab ich mich ein bisschen verliebt, so sympathisch kam sie rüber und beide hatten interessante Lebensanschauungen. Außerdem wollte man nach dem Ansehen am liebsten sofort nach Hamburg ziehen. Vier Tage später scheiterte die Begegnung zwischen Lena Meyer-Landrut und Casper völlig: Die beiden hatten sich von Anfang an nichts zu sagen und Lena zickte die ganze Zeit nur rum. Die wirkte doch früher in Talkshows so natürlich, da scheint ihr wohl der Starruhm etwas zu Kopf gestiegen zu sein? Aber gerade dieses Scheitern hat ja auch wieder was, zwei Menschen bei gemeinsamen Unternehmungen zuzusehen, die sich besser nie begegnet wären.

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„Xanadu“: arte macht auf HBO

Veröffentlicht: 7. Mai 2011 in Online, TV
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Die Ausgangssituation der neuen arte-Serie „Xanadu“ könnte auch von einer HBO- oder AMC-Serie stammen: Im Mittelpunkt der acht Folgen steht ein Familienunternehmen in der Pornobranche. Im Gegensatz zu HBO gibt es aber nicht nur tits and asses en masse zu sehen, sondern gleich in der ersten Folge auch mehrfach einen nackten Schwanz, in un- bis halberigiertem Zustand. Und die Schlussszene ist dermaßen brutal, wie ich es von amerikanischen Pay-TV-Serien auch nicht kenne: Ein Fan einer verstorbenen Pornodarstellerin läuft in einer Ausstellungseröffnung mit Fotos seines „Stars“Amok und knallt wahllos Menschen nieder. Darunter auch eine der Hauptfiguren der Serie. Danach schießt er sich dann selbst das Gehirn weg, was auch zu sehen ist. Eins muss man arte lassen: An Mut fehlt es da nicht.

Inhaltlich war die erste Folge recht viel versprechend, auch wenn das Produktionsniveau  (natürlich) nicht mit US-Serien mithalten kann. (Ich glaub, das ist die erste französiche Serie, die ich seit 25 Jahren gesehen habe.) Die weiteren Folgen laufen immer samstags nach 23 Uhr im Doppelpack. Wenn die arte-Mediathek nicht so grottig wäre, könnte man sie sich danach auch noch sieben Tage legal online angucken. Zumindest auf meinem neuen Flachbildmonitor flackert das Bild aber ganz schön, und der Versuch, die zweite Folge anzugucken, scheiterte an endlosen Ladezeiten. Abgesehen davon, dass die Folgen nur zwischen 23 und 5 Uhr abzurufen sind. Ok, Jugendschutz, ist klar. Ich find’s trotzdem absurd, dass man mittags ohne irgendwelche Altersnachweise Hardcoreporno-Videos auf den einschlägigen Internetseiten ansehen kann, aber eine anspruchsvolle, vom öffentlich-rechtlichen TV produzierte Serie, in der es ab und zu mal nackte Menschen zu sehen gibt, erst ab 23 Uhr. Müsste das Jugendschutzgesetz nicht für alle Anbieter gleichermaßen gelten?

TV: Dies und das

Veröffentlicht: 8. September 2010 in Online, TV
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Man weiß, dass man zu viele Folgen einer seiner Lieblingsserien gesehen hat, wenn man ein komplettes alternatives Ende von „Battlestar Galactica“ träumt (das allerdings so experimentell war, dass mir die anderen Fans dafür den Kopf abgerissen hätten).

Gestern Abend gab’s bei arte die schlechteste „Durch die Nacht mit…“-Folge, die ich bisher gesehen habe. Ein merkwürdiger US-Indie-Regisseur zeigt dem merkwürdigen französischen Indie-Regisseur Gaspar Noé seine Heimatstadt Nashville. Hauptproblem: der Typ kennt nur ausnahmslos unsympathische Freaks, u.a. einen Songwriter in Frauenkleidern und schlechtem Make-Up und einen „Schauspieler“, der leise reden muss, weil er Angst vor seinem 84-jährigen Vater hat, der im selben Haus wohnt, und der irgendwann sagt, er habe sich gerade in die Hose gekackt (der Sohn, nicht der Vater). Noé wurde einem in diesem Film auch nicht gerade sympathischer, wie er da mit seinem Cowboyhut rumlief und ständig über schlechte Witze lachte.

Was man im Internet alles zufällig für tolle Sachen entdecken kann: Alle Nostalgiker, die in den 70ern und 80ern aufgewachsen sind, sollten unbedingt mal bei retro-tv vorbei schauen. Zwei witzige Typen blättern in alten Hörzu-Heften und erinnern an jeweils drei bis vier Sendungen, die in der entsprechenden Programmwoche im Fernsehen liefen. Dazu zeigen sie entsprechende Ausschnitte. Erinnerungen an fast verdrängte Kindheitserfahrungen werden wach: Kli-Kla-Klawitter-Bus, Plumperquatsch, Em wie Meikel und Lemmi und die Schmöker. Aber es gibt auch Infos über skurrile Serien wie etwa eine deutsche Polizeiserie, die in L.A. spielen sollte, mit Harald Juhnke als amerikanischem Streifenpolizisten. Ja, damals haben sich ARD und ZDF noch was getraut ;). Ein herrliches Format für 30 – 40-jährige Nerds. Wenn ich ’ne Videokamera hätte, würd ich sowas mit meinen 79er „Siehste“-Heften auch mal machen…

Was ist denn mit den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern los?

Veröffentlicht: 27. März 2010 in TV
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Jahrelang zeigen sie so gut wie überhaupt keine US-Serien mehr, und plötzlich kündigen sie ein Highlight nach dem anderen an: Die Süddeutsche meldet heute, dass ZDF Neo ab Herbst das schon seit Monaten auch in der deutschen Presse gehypte „Mad Men“ ins Programm nehmen will, laut DWDL soll „Breaking Bad“ ebenfalls ab Herbst bei arte laufen, und im nächsten Jahr soll dort mit „No.1 Ladies‘ Detective Agency“ noch eine selbst für HBO ungewöhnliche Serie folgen. Und alles ohne Werbeunterbrechungen – schön!

„KDD“ ab nächste Woche wieder bei arte

Veröffentlicht: 10. Januar 2010 in TV
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Weihnachten stand noch in der taz, das ZDF hätte den Drehstopp über seine Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ verhängt. Nun startet nächste Woche doch die dritte Staffel – allerdings erstmals nicht als Erstausstrahlung im ZDF selbst, sondern gleich bei arte: dienstags um 22.15 Uhr.

War das in der taz jetzt eine Falschinformation? Oder meinten die die vierte Staffel? Wobei es ja etwas ungewöhnlich wäre, die vierte Staffel schon zu drehen bevor die dritte ausgestrahlt wurde. Außerdem glaube ich, irgendwo mal gehört zu haben, dass die dritte eh die letzte sein sollte. Mysteriös, das Ganze. Jetzt freue ich mich erst mal auf die neue Staffel und hoffe, dass das hohe Niveau gehalten wird.

Eines der besten neuen TV-Formate der letzten zehn Jahre

Veröffentlicht: 7. Februar 2009 in TV
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Jeden ersten Dienstag im Monat heißt es im Spätprogramm von arte „Durch die Nacht mit…“ Zwei mehr oder weniger prominente Zeitgenossen, die sich in der Regel vorher nicht persönlich kannten, ziehen zusammen einen Abend lang durch eine europäische Stadt, werden von einem Chauffeur zu verschiedenen Schauplätzen gefahren, reden über Gott und die Welt, entdecken Gemeinsamkeiten und Meinungsverschiedenheiten. Manchmal treffen sich hier Seelenverwandte, manchmal Leute, die sich trotz aller Unterschiede auf Anhieb sympathisch sind, manchmal geht das Experiment auch grandios in die Hose, weil die beiden Menschen merken, dass sie sich eigentlich gar nichts zu sagen haben. Das macht aber nichts, denn das Scheitern ist als Möglichkeit in dem Konzept schon eingeplant. Denn Redakteur Martin Pieper sieht „auch im Scheitern einer Begegnung eine tiefere Wahrheit“, so Produzentin Edda Baumann-von Broen im Booklet der DVD-Edition.

Oft sind es Leute, die hier für die TV-Kameras zusammengeführt werden, die auf den ersten Blick gar nicht zusammen zu passen scheinen: Heinz Strunk und H.P. „Scooter“ Daxxter zum Beispiel. Sehr oft ergeben sich daraus aber faszinierende Porträts von Künstlern oder anderen Medienschaffenden, die man als Zuschauer plötzlich mit ganz anderen Augen sieht. Im besten Fall stimmt die Chemie zwischen den Beteiligten so sehr, dass kleine Sternstunden des Fernsehens entstehen. Zweitausendeins hat einige Folgen dieser Reihe auf DVD veröffentlicht, jeweils zwei Sendungen auf einer Scheibe. Darunter auch ein absolutes Highlight des Formats: „Wir sind Helden“-Frontfrau Judith Holofernes trifft ihren Lieblingscomiczeichner Lewis Trondheim an dessen Wohnort Montpellier.

Zunächst überrascht, wie gut die deutsche Sängerin Französisch spricht. Während Holofernes charmant wie immer rüber kommt, wirkt der französische Zeichner eher schüchtern bis skurril. Man versteht schon, warum die eine vor Publikum agiert, der andere eher im Verborgenen seiner Arbeit nachgeht. Trotz unterschiedlicher Sprache und Temperament liegen die beiden im Großen und Ganzen doch auf einer Wellenlänge. In ihren Gespräche erfährt der Zuschauer einiges über das Metier des Comiczeichnens, warum Trondheims bekanntester Held „Herr Hase“ sterben musste, über die kulturellen Unterschiede zwischen den beiden Ländern und darüber, wie Holofernes ihre Songtexte schreibt.

Ihre Fahrt führt die beiden von Trondheims Atelier über die Probe eines experimentellen Tanztheaters (herrliche Szenen, wie die beiden zunehmend gelangweilt bis entsetzt das Geschehen auf der Bühne betrachten) und einen Feinkostladen bis zum Trampolinspringen in einer Zirkusschule. Spätestens hier flippen sie völlig aus; alleine diese Szenen wären schon 20 Euro wert. Das Beste ist aber: Die DVDs kosten nur noch je 6 Euro 99. Dafür gibt es Fernsehunterhaltung vom Feinsten, die beweist, dass eine ganz simple Idee reicht, um eine außergewöhnliche TV-Sendung zu machen.