Mit ‘ZDF’ getaggte Beiträge

Olympia-Berichterstattung bei ARD und ZDF: eine Farce

Veröffentlicht: 17. August 2016 in Journalismus, TV
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Da ein vier Jahre alter Artikel zu den Eurosport-Leichtathletik-Kommentatoren hier immer noch Resonanz findet, schreibe ich mal wieder was zu Olympia. Seit eineinhalb Wochen ärgere ich mich über die Berichterstattung von ARD und ZDF, die ja spätestens alle 20 Minuten zu einer anderen Sportart schalten (Hauptsache, ein Deutscher hat Medaillenchancen), und trauere vergangenen Olympischen Spielen nach, für die auch Eurosport die Rechte hatte. Da konnte man sicher sein: Wenn Leichtathletik stattfindet, wird auch stundenlang Leichtathletik übertragen, und wenn man wegen Zeitverschiebung oder weil man keine Zeit hatte, was verpasst hat, kann man sich vormittags noch mal stundenlang die Wiederholung anschauen.

Bei ARD und ZDF ist es hingegen ein Glücksspiel, überhaupt mal Leichtathletik zu sehen, da die tagsüber lieber so was Spannendes wie Springreiten zeigen. Selbst wenn es nachmittags mal ein Lauffinale gibt wie gerade die 3000m Hindernis, hat man die Wahl, sich entweder im Fernsehen Tischtennis (!) anzusehen oder im Internet einen unkommentierten (!!) Livestream des Rennens (was machen eigentlich die Kommentatoren des jeweils anderen Senders, der im TV gerade nicht dran ist; könnte man die nicht dafür einsetzen, die Livestreams zu kommentieren, die auf beiden Webseiten übertragen werden?). Wahrscheinlich will das ZDF dem Ärger abhelfen, indem es einen zur Meditation zwingt, denn etwas Meditativeres als eine unkommentierte Sportübertragung lässt sich wohl nur schwerlich finden.

Für alle, die sich nicht die Nacht um die Ohren hauen wollen oder können, gibt’s dann noch die morgendlichen Highlights-Sendungen. Die dauern drei Stunden, wobei Leichtathletik (oder in der ersten Woche Schwimmen) mal am Anfang, mal am Ende, mal mittendrin und manchmal auch zweigeteilt mit eineinhalb Stunden Unterbrechung zusammengefasst wird. Großartig! Wir haben alle nichts anderes zu tun als vormittags stundenlang vor dem Fernseher zu warten, wann die interessanteste Sportart drankommt. Ich will auch keine Trainer im Studio sehen und schon gar keine schon nachts in Rio gut gelaunten Moderatorenduos, die zwischendurch mal mit der Kokosnuss anstoßen. Wenn ich schon alle vier Jahre mal Sport gucke, will ich die Wettkämpfe sehen und sonst nichts!

Was bin ich froh, dass für die nächsten Olympischen Spiele Eurosport die Erstübertragungsrechte hat, und ich würde es denen auch gönnen, dass ARD und ZDF sich bei ihren Verhandlungen verspekulieren und gar keine Übertragungsrechte abbekommen (wonach es zurzeit ja aussieht). Dann freue ich mich, Sigi Heinrich und Dirk Thiele wieder hören zu können (falls die es dann noch mal machen) und von den öffentlich-rechtlichen Knallchargen verschont zu bleiben.

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Meine heimlichen Helden: Dirk Thiele und Sigi Heinrich

Veröffentlicht: 14. August 2012 in Journalismus, TV
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In den letzten 2 1/2 Wochen habe ich fast keinen anderen TV-Sender geguckt als Eurosport, obwohl der so weit hinten auf meiner Fernbedienung liegt, dass ich ihn im Grunde nur alle vier Jahre wahrnehme. Nämlich immer dann, wenn das Olympia-Fieber meine Sportallergie besiegt. Da ich mich nur für zwei Sportarten interessiere, nämlich Schwimmen und vor allem Leichtathletik, kommt mir die Live-Berichtertattung der Briten wesentlich mehr entgegen als die von ARD und ZDF. Letztere übertragen ja überwiegend nur die Wettkämpfe, bei denen Deutsche Medaillenchancen haben. Das führt dann zu so absurden Entscheidungen wie zur besten Sendezeit ein Beach-Volleyballspiel zu übertragen, während alle Welt fiebert, wer beim 100-Meter-Lauf schnellster Mann der Erde wird.

Na, die Einschaltquote scheint ihnen ja Recht zu geben, sollen sich doch acht Millionen Deutsche angeguckt haben, wie vier Sportler auf Sand rumspringen und einen Ball übers Netz spielen – für mich allenthalben an langweiligen Sommerurlaubstagen als Betätigung vorstellbar (also, jetzt nicht für mich selbst, ich würd eh keinen Ball übers Netz bekommen). Ein paar Tage später dann: Hockey. Geht’s noch uninteressanter? Kennt da überhaupt jemand die Spielregeln? 800 m-Lauf der Damen und Staffel fanden nur als Aufzeichnungen in der Halbzeitpause Platz, immerhin wurde wohl mal kurz zum 200 m-Lauf mit Usain Bolt geschaltet. Dass es viel mehr Spaß macht, Wettkämpfe in voller Länge zu verfolgen (selbst Stabhochsprung), statt von Häppchen zu Häppchen zu springen, haben die Öffentlich-Rechtlichen ohnehin nicht verstanden.

Bei Eurosport, wo man dank der europaweiten Verbreitung keine Rücksicht auf nationale Befindlichkeiten nehmen kann und muss, werden hingegen zur Primetime nur die populärsten Sportarten übertragen. Und das heißt eben: Abends drei bis vier Stunden Leichtathletik. Herrlich, ich sehe lieber die dritte Siegerehrung im Stadion als drei Minuten Ballsport. Wegkommentiert wird stundenlang alles von den immer gleichen beiden Reportern: Dirk Thiele und Sigi Heinrich. Die sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber mir immer noch lieber als die Schnarchnasen bei ZDF oder ARD, die sich meist so anhören, als warteten sie nur darauf, dass sie bald ausstempeln könnten (und deren Allgemeinbildung gegen Null zu gehen scheint, können sie doch weder Liam Gallagher richtig aussprechen noch Westminster Abbey von St. Paul’s Cathedral unterscheiden). Die beiden Eurosportler sind hingegen wie ein altes Ehepaar, das sich hin und wieder mal chauvinistische Bemerkungen zuwirft („Du schickst doch immer deine Frau zum Einkaufen“) oder auch mal tierisch aufregt, wenn die eigene Bildregie die Langstreckenläufer statt der Hochspringer zeigt.

Höhepunkt ihres Auftretens war aber der letzte Wettkampfnachmittag, als Heinrich plötzlich Hockey kommentieren musste, während Thiele beim Marathon war. Letzterer sprach von sich selbst verwirrenderweise immer in der dritten Person: „Gleich kommentieren Dirk Thiele und [Expertin einsetzen] für Sie den Marathon, aber erst einmal zu Siegfried Heinrich beim Hockey.“ – „Ja, hier ist Sigi. Schön, dass du auch dich selbst nennst. Aber dich kennt man doch, da wissen die Leute doch, wer du bist.“ Tags zuvor beim 50 km-Gehen der Männer – ein absolut faszinierendes Ereignis, nicht weil so spannend gewesen wäre, wer gewinnt, sondern, weil ich ständig befürchtete, es würde noch ein Teilnehmer kurz vorm Ziel entweder zusammenbrechen oder disqualifiziert werden -, schaffte Thiele es, in einer halben Minute drei ausgelutschte Metaphern einzubauen (Bild von Uhrenturm: „Seine Stunde schlägt jetzt auch“, Bild einer grünen Ampel: „Für ihn steht die Ampel jetzt auf Grün“, das dritte war wahrscheinlich ein Stoppschild oder so was). Auch das ist ein bemerkenswerter Rekord. Was mache ich jetzt bloß abends ohne Olympia? Wann ist noch mal die nächste Leichtathletik-WM?

Heute Abend (vor 32 Jahren) im Fernsehen

Veröffentlicht: 16. August 2011 in TV
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ARD:

20.15 Ein Fluß für Polen – „Weichselprogramm 2000“

21.15 Fiesta Mexicana (2) – „Es lebe Zapata!“ Film-Collage

21.55 Anatomie des Kusses (2)

23 Uhr Bayern in der NS-Zeit

Sendeschluss: ca. 0.05

ZDF:

19.30 Der große Preis – Heiteres Spiel für gescheite Leute mit Wim Thoelke

21.20 Augenzeugen berichten: Der Spion, der aus Deutschland kam

22.05 Das kleine Fernsehspiel: Elvis – Musik: Elvis Presley

Sendeschluss: ca. 23.25

West / Nord / Hessen 3:

20.15 Flucht vor dem Tode – Spielfilm, USA 1952

Bayern 3:

20.35 Alfred Kubin – Porträt des Zeichners und Schriftstellers

(Programm vom 16. August 1979)

Und verdammt, ich hab Edys Stammtisch um 19 Uhr bei Radio Luxemburg verpasst. Den Heini hat meine Mutter immer sonntagmorgens mit der Volksmusikhitparade gehört.

Absurd: Programmplanung à la ZDF

Veröffentlicht: 26. Mai 2011 in TV
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Da zeigt sich aber schon, dass die Publikumsstruktur des ZDF uns nur sehr mainstreamige Produktionen erlaubt. Und eine geeignete Serie zu finden, die ins ZDF-Hauptprogramm passt – am Besten gleich zwei für einen Serien-Abend, das ist schon eine strategische Herausforderung, die nicht kurzfristig lösbar ist.

… sagt ein ZDF-Einkäufer im DWDL-Interview zum Thema US-Serien. Seit den „Sopranos“ vor elf Jahren habe es demnach im ZDF-Hauptprogramm keine solchen mehr gegeben. Die beiden zitierten Sätze zeigen im Grunde schon die ganze Absurdität von dessen Programmpolitik. Das Publikum ist halt alt und konservativ, da kann man denen keine amerikanischen Serien zumuten, weil die sonst abschalten. So kann man vielleicht noch als Privatsender argumentieren, aber ich dachte immer, das ZDF hätte den gesetzlichen Auftrag, Programm für alle Bevölkerungsgruppen zu machen. Gehören da jetzt die jüngeren, USA-affinen Menschen schon nicht mehr dazu? Und wenn das so ist, dürfen die dann ihren GEZ-Anteil, der ans ZDF geht, in Zukunft behalten?

Wenn es schon als schwer zu lösende strategische Herausforderung betrachtet wird, eine oder zwei gute US-Serien zu finden, macht da irgendwer seinen Job nicht richtig. Ich könnte da auf Anhieb mindestens zehn nennen (die ja teilweise auch bei neo laufen, mangels Verbreitung und Bekanntheit allerdings weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit). Ich versteh auch die wirtschaftliche Logik dahinter nicht: Es ist doch viel teurer, Serien selbst zu produzieren als Lizenzen einzukaufen? Als nächsten Senderclaim schlage ich fürs ZDF vor: „Mit Ihren Dritten sehen Sie bei uns besser.“

So was hat es wohl seit dem „Scheibenwischer“-Skandal um den Bayerischen Rundfunk nicht mehr gegeben: Michael Mittermeier macht in der „heute-show“ (zugegeben ziemlich geschmacklose) Witze über die Bedeutung des Worts Atomfetischisten und plötzlich wird der Bildschirm schwarz. „Keine Angst vorm Super-GAU, komm doch her, verstrahlte Sau“, sang der Comedian gestern Abend in der Sendung, nachdem er schon spekuliert hatte, dass Atomfetischisten vermutlich Menschen sind, die nur durch den Anblick von AKWs sexuell erregt werden oder Frauen, die nur plutoniumbetriebene Vibratoren benutzen. Gerade meinte Moderator Oliver Welke noch, Wörter wie „wichsen“ höre man im ZDF viel zu selten, da brach die Sendung abrupt ab. Der Bildschirm blieb etwa eine halbe Minute schwarz, bis auf das ZDF-Logo oben links. Danach erschien – seltsame Ironie – statt der beiden Atomfetischisten-Satiriker plötzlich Atomfetischist Wolfgang Herles auf dem Bildschirm, in einem Trailer für die nachfolgende „Aspekte“-Sendung. Irgendeine Erklärung, warum die „heute-show“ so plötzlich abbrach, gab das ZDF seinen Zuschauern nicht.

Heute heißt es bei Twitter, das Ganze sei nur ein technischer Fehler gewesen, bei der Überspielung der aufgezeichneten Sendung habe etwas nicht geklappt. Da frage ich mich, überprüft das kein Mensch mehr, ob die überspielte Sendung auch wirklich so lang ist, wie sie sein soll? Und warum gab es weder im laufenden Programm noch heute auf der Facebook-Seite der Sendung eine Erklärung? Zwar gibt es nun angeblich die komplette Sendung in der Mediathek zu sehen, aber Zweifel bleiben bestehen. Auf mich wirkt das Ganze jedenfalls, als habe ein überreagierender ZDF-Mitarbeiter den Stecker gezogen.

Wie gesagt, grenzwertig fand ich die Witze von Mittermeier stellenweise auch. Während in Japan noch Menschen mit wahrscheinlich tödlichen Dosen verstrahlt werden, sollte man nicht schon im TV Witze über verstrahlte Menschen machen. Aber das kann man dann senderintern hinterher diskutieren. Bis dahin bleibt es jedem Zuschauer überlassen, aus- oder umzuschalten, wenn ihm die Satire zu geschmacklos wird. Andererseits muss man sagen: Wenn stimmt, dass Satire nur gut ist, wenn sie weh tut, hat die „heute-show“ alles richtig gemacht. Bis zu dem fragwürdigen Auftritt von Mittermeier war es eh eine der bisher besten Ausgaben. Martin Sonneborn, wie er einem NPD-Bürgermeister beim Interview ein Mikro mit aufgestecktem Hitlerbärtchen vors Gesicht hält – das war schon sehr genial. Mal sehen, ob Oliver Welke nächsten Freitag wieder passende Worte zum Abschied findet, wie auch schon, als das ZDF mal versehentlich seine Show erst nach „aspekte“ zeigte statt umgekehrt. So à la „Jetzt kommt ‚Aspekte‘, wenn es nicht schon längst angefangen hat.“

Nachtrag: Der Produzent erklärt im DWDL-Interview, woran es gelegen haben soll. Die aufgezeichnete Sendung wird also live von Köln nach Mainz überspielt, während sie ausgestrahlt wird? Ist das ein gängiges Verfahren in Zeiten von schnellen Internetverbindungen und riesigen Servern? Warum überspielt man da nicht einfach die Sendung vorher in aller Ruhe, was wesentlich weniger fehleranfällig scheint als es live zu machen?

Bei der Panne im Oktober hieß es glaube ich, man hätte „Die Vorleser „vorziehen müssen, weil die Überspielung der „heute-show“ nicht rechtzeitig fertig gewesen wäre. Damals wurde sie also noch nicht live überspielt?

Dass Dominik Grafs Serie jetzt bei der Ausstrahlung im Ersten gefloppt ist, war ja so vorhersehbar wie nur irgendwas. Und trotzdem brechen wieder die alten Diskussionen aus, wer eigentlich schuld ist: die ARD, das tumbe Publikum oder doch die Filmemacher selbst. Meine Meinung dazu: Jedes Programm hat die Zuschauer, die es verdient. Oder: die, es sich herangezogen hat. Barbara Schweizerhof zieht in ihrem Artikel im „Freitag“  das richtige Fazit, dass es an falschen bzw. nicht vorhandenen Programmplätzen und mangelnder Ausdauer der Sender liegt. Wenn sie damit auch ihrer eigenen Argumentation ein paar Absätze vorher widerspricht, dass man der ARD keinen Vorwurf daraus machen könne, auf niedrige Quoten zu reagieren (indem sie die letzte Folge eine Woche früher als geplant zu nachtschlafender Stunde versendete).

Den Fehler, den ARD und ZDF immer wieder machen, ist zu denken, wenn sie schon mal eine anspruchsvolle Serie produziert haben, diese dann auf den Programmplätzen zu senden, an dem sonst eher Durchschnittskost läuft. So lief IADV dann freitagabends, wo sonst „Tatort“-Wiederholungen gesendet werden. Genauso machte es das ZDF mit KDD am Freitag, dem einfachen Gedanken folgend: Ist doch auch ’ne Krimiserie, dann werden das die Leute, die da sonst SOKO Leipzig gucken, das schon auch sehen wollen. Das ist natürlich Quatsch, denn die Leute, die sonst nur Krimis à la SOKO, „Der Alte“ und „Tatort“ gucken, können mit der komplexeren Erzählweise und der experimentelleren Inszenierung von Serien wie KDD oder IADV meist nichts anfangen.

Man muss sich doch nur mal einen durchschnittlichen „Tatort“ angucken. Klar, gibt es da ab und an mal eine gelungene Folge, aber meistens ist das doch eher filmische Hausmannskost, die halt niemanden verschrecken soll, der kleinste gemeinsame Nenner. Altbackener und konventioneller als die Folge gestern Abend kann man ja z.B. einen Krimi gar nicht mehr inszenieren. Und dann kommt Graf mit seinen erzählerischen Spiralen, seinen undeutlichen Tonspuren und seinen surrealistischen Bildelementen und man wundert sich, dass das den „Tatort“-gewohnten ARD-Zuschauer überfordert.

Die eigentliche Zielgruppe dieser Serien wären die (eher jüngeren, eher gebildeteren) Leute, die sich auch „The Wire“ und „Die Sopranos“ angucken. Nur, die erreicht man mit ARD und ZDF schon gar nicht mehr, weil da an 95 % der Abende sowieso nichts Interessantes läuft. Und wieso sollten die freitags was Gutes erwarten, wenn da sonst nur SOKO und „Der Alte“ läuft? Wenn überhaupt haben die die Serie dann schon längst bei arte gesehen (so wie ich) oder warten auf die DVD. Da aber nur die nackte Quote zählt (warum eigentlich, wo doch abends eh keine Werbung laufen darf?), und nicht zusammen gerechnet wird, gelten zwei Millionen Zuschauer in der ARD bei IADV dann eben als Flop.

Die Lösung wäre, tatsächlich langfristig Programmplätze für anspruchsvollere Formate aufzubauen. Also nicht: Alles, was irgendwie Krimi ist, wird freitagabends versendet, sondern: Alles, was anspruchsvoller ist als die Durchschnittskost, wird z.B. mittwochabends gesendet. Und zwar konsequent eine Serie nach der anderen, auch wenn die Quote dann halt schlechter ist als am Freitag. Das müsste sich ein gebührenfinanzierter Sender leisten können. Dann spricht sich vielleicht nach ein paar Monaten (oder Jahren) rum: Ey, mittwochabends um Viertel vor Elf laufen im Ersten immer gute Serien. Und dann schalten da vielleicht auch mal mehr Leute ein.

Das Problem: Selbst, wenn die Sender das machen wollten, hätten sie ja gar keine freien Programmplätze mehr dafür. Denn die Programme von ARD und ZDF sind mittlerweile so durchformatiert, dass es ja schon Probleme macht, wenn plötzlich eine politische Talkshow mehr in der Woche gesendet werden soll. Weil halt an bestimmten Konventionen nicht mehr gerüttelt werden darf: montags muss eben „In aller Freundschaft“ kommen, freitags die Krimis usw. So muss dann die eine anspruchsvolle Serie, die man im Jahr mal hat, auf Teufel komm raus, auf den Krimiplatz gequetscht werden. Eine absurde Programmpolitik. Dass dabei überhaupt ab und zu mal eine halbwegs anspruchsvolle, halbwegs erfolgreiche Serie rauskommt wie aktuell „Weissensee“, ist im Grunde ein Wunder.

Wer ist Deutschland?

Veröffentlicht: 9. April 2010 in Politik, TV
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Manchmal frage ich mich schon, ob diese ganzen Nachrichtensendungen im TV wirklich Informationssendungen sind oder nicht im Grunde Informationsverhinderungssendungen. Was erfährt man z.B., wenn man jeden Abend 15 Minuten „Tagesschau“ guckt, und das für einen die einzige Informationsquelle ist, was das politische und allgemeine Weltgeschehen angeht?

Schönes Beispiel: die Berichterstattung über die Trauerfeier für die in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten heute im „heute-journal“. Angela Merkel sagt in ihrer Trauerrede: „Deutschland verneigt sich vor ihnen.“ Da frage ich mich: Wer bitte ist „Deutschland“? Also ich verneige mich bestimmt nicht vor Soldaten, die sich in einem fragwürdigen Auslandseinsatz, den die Mehrheit der deutschen Bevölkerung aus guten Gründen ablehnt, verheizen lassen. Der Beruf des Soldaten ist eben nicht nur zu töten, sondern, wenn’s schlecht läuft, auch, sich töten zu lassen. Kritsch hinterfragt wird aber im Bericht des ZDF natürlich gar nichts. Die Trauergäste, die der Reporter nach dem Gottesdienst befragt, loben einhellig die „treffenden Worte der Kanzlerin“, einer sagt, er findet es richtig, dass der Einsatz entschlossen „zu Ende geführt wird“. Wobei ja niemand so genau weiß, was das Kriegsziel eigentlich sein soll.

Danach ein Wischiwaschi-Kommentar des neuen ZDF-Chefredaktuers Peter Frey. Nachdem man sich beim ARD-Pendant „Tagesthemen“ schon seit Jahrzehnten fragt, welchen Sinn diese nichtssagenden Kommentare eigentlich haben sollen, zieht das ZDF also endlich nach. Aber wahrscheinlich gilt das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon als kritisch, was der Mann da absonderte. Der „Krieg gegen den Terror“ müsse ehrlicher geführt werden. Dass schon die Formulierung völliger Blödsinn ist und an Gehirnwäsche grenzt, thematisiert der Kommentator natürlich nicht. Hat Deutschland eigentlich in den 70ern und 80ern auch Krieg gegen die RAF geführt? Die RAF hätte das sicher gern so gehabt. „Krieg gegen Terror“ ist aber semantisch genauso ein Unsinn wie „Krieg gegen Mord“ oder „Krieg gegen Kindesmissbrauch“. Aber so weit denkt wahrschienlich im Meinungsmainstream der deutschen Medien niemand.

Da imponieren mir Publizisten wie „Freitag“-Verleger Jakob Augstein, der sich diesem ganzen Politberichterstattungs-Theater verweigert. Als er neulich im ARD-„Presseclub“ eingeladen war, wo wieder mal mehr über irgendwelche Koalitionsoptionsspielereien nach der NRW-Wahl geredet wurde als über die Probleme des Landes, fiel er zum Schluss aus der Rolle und meinte sinngemäß, das sei eine Diskussion, die nur die Journalisten selbst interessiere, aber nichts mit den berechtigten Anliegen der Bürger zu tun hätte. Leider war da die Sendung schon zuende. Ich bin gespannt, ob Augstein noch mal eingeladen wird.

„KDD“ ab nächste Woche wieder bei arte

Veröffentlicht: 10. Januar 2010 in TV
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Weihnachten stand noch in der taz, das ZDF hätte den Drehstopp über seine Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ verhängt. Nun startet nächste Woche doch die dritte Staffel – allerdings erstmals nicht als Erstausstrahlung im ZDF selbst, sondern gleich bei arte: dienstags um 22.15 Uhr.

War das in der taz jetzt eine Falschinformation? Oder meinten die die vierte Staffel? Wobei es ja etwas ungewöhnlich wäre, die vierte Staffel schon zu drehen bevor die dritte ausgestrahlt wurde. Außerdem glaube ich, irgendwo mal gehört zu haben, dass die dritte eh die letzte sein sollte. Mysteriös, das Ganze. Jetzt freue ich mich erst mal auf die neue Staffel und hoffe, dass das hohe Niveau gehalten wird.

Fehlstart für ZDF Neo

Veröffentlicht: 2. November 2009 in TV
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Gestern hatte ich mich darauf gefreut, um 19 Uhr 30 die erste Folge der viel gepriesenen US-Serie „30 Rock“ beim neu gestarteten digitalen Spartenprogramm ZDF Neo zu gucken. Als ich den Fernseher einschaltete, war ich zunächst verwundert, warum da der Kika fröhlich vor sich hin sendete. Bis mir wieder einfiel, dass sich ja schon bisher dieser und der ehemalige ZDF Dokukanal eine Frequenz im hiesigen DVB-T-Netz teilten. Was heißt, dass auch Neo erst aufgeschaltet wird, nachdem der Kinderkanal um 21 Uhr sein Program beendet hat.

Die weiteren Folgen von „30 Rock“ laufen dann mittwochs um 22 Uhr 30, was also kein Problem darstellt. Warum man dann aber die erste Folge zu einer Zeit ausstrahlen muss, wo ein Großteil der Zuschauer den Sender gar nicht empfangen kann, weiß wohl nur das ZDF. (Diese Digitalsender von ARD und ZDF senden ja eh weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ich persönlich kenne z.B. niemanden, der digitales Kabel hat. Und ich denke mal, diese Doppelbelegung wird in den meisten DVB-T-Regionen so gegeben sein.)

Ein noch größeres Rätsel ist, warum bei Neo um 20 Uhr 15 Spielfilme gestartet werden. Die die meisten interessierten Leute dann ab 21 Uhr halb angucken können. Mit einer solch zuschauerfreundlichen Programmpolitik wird Neo sicher die bisherigen Nullkommairgendwas Prozent Marktanteil weit übertreffen.

Gerade lief bei Bayern2 eine „Zündfunk“-Sendung zum Thema 25 Jahre Privatfernsehen in Deutschland. Weitestgehend ist das eine Geschichte des Niedergangs, und zwar interessanterweise sowohl eine des Privat- wie auch eine des öffentlich-rechtlichen TVs. Als RTL plus Mitte der 80er auf Sendung ging, war es sicherlich trashig – aber es war auch innovativ, brachte einen frischen Wind ins verstaubte deutsche TV-Programm. Man denke nur an Sendungen wie „Eine Chance für die Liebe“ mit Erika Berger, „Alles Nichts oder“ mit Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder oder auch „Der heiße Stuhl“ mit Ulrich Meyer.

So etwas hatte man bis dahin in der BRD noch nicht zu sehen bekommen. Plötzlich wurde da auf dem Fernsehschirm ganz offen über sexuelle Probleme gesprochen, Showmaster wurden mit Torten beworfen und in Talkshows gab es auf einmal inszenierten Konflikt statt gepflegten Konsens. Wobei man auch sagen muss: Was damals für so manchen Skandal gut war, würde heute keinen Kritiker mehr hinterm Sofa hervorlocken. Beim „Heißen Stuhl“ etwa wurden ja durchaus noch gesellschaftlich relevante Themen diskutiert, manchmal waren sogar Politiker unter den Teilnehmern. Bei „Tutti Frutti“ zogen sich bleiche Zuschauer ungelenk aus – aber nur bis auf die Unterwäsche. Wenn man sich dagegen heutige Shows wie „Big Brother“, „Das Dschungelcamp“, „Guilia in Love“ oder „Das Model und der Freak“ betrachtet, muss man feststellen, dass es dabei nur noch darum geht, an die niedersten Instinkte der Zuschauer zu appelieren – und dafür die Menschenwürde der Teilnehmer mit Füßen zu treten. Da sehnt man sich doch fast nach Karl Dalls Playboy-Häschen zurück, wenn man heute schon in Programmtrailern mit irgendwelchen Insekten verspeisenden C-Promis konfrontiert wird.

Umgekehrt ist das Programm von ARD und ZDF, jedenfalls in den beiden Hauptprogrammen, kaum noch von der privaten Konkurrenz zu unterscheiden. Vor allem das Nachmittags- und Vorabendprogramm könnte mit seinen Daily Soaps, Boulevardmagazinen und Telenovelas genauso auch bei RTL oder Sat 1 laufen. Und auch zur Hauptsendezeit gibt es im Ersten und im ZDF hauptsächlich Florian Silbereisen, Rosamunde Pilcher, SOKO irgendwas und Quizshows mit Jörg Pilawa zu bewundern. Anspruchsvollere Sendungen wie investigative Reportagen oder gute Spielfilme laufen dann erst im Spätprogramm. So hatte das komplexe Drama „Babel“ neulich seine Free TV-Premiere um 0 Uhr in der ARD. Ein Armutszeugnis. Wenn man zur Hauptsendezeit einen anspruchsvollen Spielfilm sehen will, bleibt meist nur arte.

Über das Privatfernsehen wiederum kann man herziehen, soviel man will. Natürlich sind 90 bis 95 Prozent von deren Eigenproduktionen Trash (Ausnahmen wie „Switch“ oder „Wer wird Millionär?“ bestätigen wohl eher die Regel.). Dafür laufen aber ausnahmslos alle anspruchsvolleren US-Serien bei Privatsendern – was hauptsächlich daran liegt, dass bei ARD und ZDF so gut wie gar keine US-Serien mehr laufen. So sind es „böse“ Unterschichtensender wie Pro Sieben und RTL II, die Highlights wie „Battlestar Galactica“, „Rome“, ER, „Nip/Tuck“, „Californication“ etc. ausstrahl(t)en (und manchmal dann leider auch schnell wieder absetzen oder auf nachtschlafende Sendezeiten verschieben, wenn die Quote nicht stimmt). Bis Anfang der 90er wären komplexe HBO-Serien wie „Six Feet Under“ sicher noch im Ersten oder Zweiten gelaufen, wenn in den USA denn damals schon solche anspruchsvollen Serien produziert worden wären. „Die Simpsons“ und „Die Sopranos“ sind seinerzeit ja auch beide noch im ZDF gestartet worden, wurden aber schnell wieder abgesetzt und erst später bei Pro Sieben bzw. Kabel Eins richtig bekannt.

Wieso kauft die ARD nicht mal eine Serie wie „The West Wing“ ein, gegen deren Brillianz jeder noch so sozialkritische „Tatort“ (wie z.B. der heute Abend vom BR) einfach nur bemüht wirkt? Oder meinetwegen „The Wire“, das fürs deutsche Privatfernsehen natürlich zu sophisticated ist? Wenn das ö.-r. TV mal eine hoch gelobte neuere US-Serie einkauft, wie jetzt „30 Rock“, zeigt es diese dann auf einem digitalen Spartenkanal, den 60 Prozent der Deutschen gar nicht empfangen können. Da ist es natürlich kein Wunder, dass die jungen, gebildeten Zuschauer sich vom Fernsehen abwenden und sich lieber DVD-Boxen anschauen (oder andere, weniger legale Wege nutzen). Wieso sollten intelligente Menschen auch auf Hausmannskost wie „Lindenstraße“, „Ein Fall für Zwei“ oder „In aller Freundschaft“ zurück greifen, wenn sie sich bei Amazon oder kino.to an Haute Cuisine aus der Küche von HBO oder Showtime gütlich tun können?

Die Frage, wieso es ARD und ZDF fast nie schaffen, vergleichbar gute Serien zu produzieren, möchte ich gar nicht erst stellen. Wir Deutschen ziehen ja gerne über die angebliche geistige Schlichtheit des durchschnittlichen US-Amerikaners her. Aber wieso war bei denen eine hoch komplexe, hoch politische Serie wie „West Wing“ so erfolgreich, dass sie sieben Staffeln bekam, während beim ZDF schon um die dritte Staffel von „KDD“ gerungen werden muss? Solange sich da nicht grundsätzlich etwas ändert, ist es leider nur wohlfeil, über die privaten „Schmuddelsender“ zu schimpfen.