Archiv für Januar, 2011

Gesine aus der Nachtindustrie

Veröffentlicht: 27. Januar 2011 in Politik
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Plötzlich heißen wieder alle Gesine. Nicht nur die viel gescholtene Linken-Vorsitzende, sondern auch die der Grünen Jugend. Wobei die wohl eh schon fusioniert haben, wie Maybrit Illner als einzige Journalistin mitbekommen hat („Bündnis 90 / Die Linke“).

Nur eines der zahlreichen Anzeichen dafür, dass der Weg in den Kommunismus uns unmittelbar bevorsteht. Nicht nur, dass in Arabien plötzlich kapitalistische Ausbeuter vom Volk weggefegt werden, sogar Lidl stellt schon für seine Werbeprospekte  in vorauseilender Anbiederung an die zukünftigen Machthaber (das Proletariat!) Marx-Engels-Werke in seine Regale. Wenn ich sage, dass sich die K-Frage bald ganz konkret stellen wird, meine ich damit nicht, dass die SPD sich zwischen Steinmeier und Gabriel entscheiden muss. Kanzlerin wird dann schon längst Sarah Wagenknecht sein. Ob vor oder nach den Wahlen hat die Linke noch nicht abschließend entschieden.

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Schwanenaufstand im Programmkino

Veröffentlicht: 24. Januar 2011 in Film
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Gemessen am Publikumsandrang in meinem Düsseldorfer Lieblings-Programmkino ist „Black Swan“ der erfolgreichste (Arthouse-)Film der letzten zehn Jahre. Ich geh schon seit 20 Jahren mehr oder weniger regelmäßig ins Metropol und habe es bisher nur ein Mal erlebt, dass eine Vorstellung ausverkauft war. Und das war vor mehr als zehn Jahren eine „Captain Future“-Nacht. „Black Swan“ war nun gleich zwei Abende hintereinander ausverkauft (weswegen ich gestern auch nicht mehr reingekommen bin). Und das, obwohl er gleichzeitig auch noch in allen drei Düsseldorfer Multiplexen läuft. So viele Leute habe ich jedenfalls noch nie im Foyer des und vor dem Metropol stehen sehen und da da echt wenig Platz ist, herrschte auch ziemliches Chaos mit zwei Schlangen bis nach draußen, wobei man teilweise nicht wusste, welche zur Kasse führte und an welcher die warteten, die schon Karten hatten.

Schon seltsam, dass ausgerechnet Aronofsky plötzlich zum Kassenmagneten geworden ist. Als ich vor einem halben Jahr gelesen habe, dass er einen Ballettfilm über den Schwanensee gedreht hat, dachte ich, das wird wieder so ein Minderheitenfilm, den sich zwanzig Leute gleichzeitig im Programmkino angucken. Und jetzt läuft er in vier Kinos in einer Stadt und ist teilweise trotzdem noch ausverkauft. Ich blick da nicht so ganz durch, woher plötzlich der Hype kommt. Wegen der Oscarnominierung für Natalie Portman? Mickey Rourke hatte für „The Wrestler“ doch auch eine. Oder wegen der Ankündigung, es gebe heißen Lesbensex?

Jedenfalls ein weiter Weg von „Pi“, der selbst für Programmkinoverhältnisse noch sehr schräg war. Ich fand „Black Swan“ übrigens super, aber für eine Kritik muss ich den noch ein wenig sacken lassen. (Könnt ihr jetzt hier auf SPEKTAKEL lesen.)

Der Datenstrom als Fernsehersatz

Veröffentlicht: 5. Januar 2011 in Online, TV
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Das Filmmagazin CARGO stellt in seiner neuen Ausgabe (in einem lesenswerten Serien-Schwerpunkt) die interessante These auf, dass das wöchentlich zu festen Zeiten Angucken von Fernsehserien doch noch nicht so tot ist wie viele immer behaupten. Weil die Hardcorefans bestimmter US-Serien eben meist nicht darauf warten, dass die DVD-Box der neuesten Staffel rauskommt, sondern sich die Folgen schon kurz nach ihrer Erstausstrahlung im US-TV übers Netz runterladen. Und dabei dann halt wieder ein wochentäglicher Rhythmus entsteht, nur dass der sich eben nicht mehr an Ausstrahlungsterminen im deutschen Fernsehen orientiert, sondern an der Verfügbarkeit im Internet kurz nach den amerikanischen Sendeterminen. Das Ritual ändert also praktisch nur seine Form, bleibt aber prinzipiell erhalten. (Dazu gehört dann, dass die Fans in den einschlägigen Foren auch schon einen Tag nach US-Ausstrahlung der neuesten Folgen über die aktuellsten Entwicklungen zu diskutieren beginnen.)

Passend dazu hier die Top Ten der meist gedownloadeten Serien 2010.

Irgendwie ist mir diese Schauspielerin erst letztes Jahr so richtig aufgefallen, in Moodyssons „Mammut“. Dass sie 2004 auch die Hauptrolle in Wim Wenders‘ „Land of Plenty“ gespielt hat, hatte ich da schon längst vergessen, ebenso wie mir einige Nebenrollen nicht im Gedächtnis geblieben waren (z.b. als Ehefrau in „Brokeback Mountain“). Gestern lief auf 3sat „Wendy und Lucy“, ein kleiner Independent-Film von 2008, in dem Williams eine junge Frau spielt, die allein mit ihrer Hündin im Auto auf dem Weg quer durch die USA nach Alaska ist, wo sie sich ein neues Leben aufbauen will. Ein fast minimalistischer Film: Man erfährt nichts über den Hintergrund dieser Wendy, was sie in diese Lage gebracht hat, keinen Wohnsitz und außer Hund und Auto keine Besitztümer und fast kein Geld zu haben, auch so gut wie keine sozialen Bindungen (einmal telefoniert sie kurz mit ihrem Schwager, was aber eher in gescheiterter Kommunikation endet). Ihr einziger Bezugspunkt ist ihre Hündin, die ihr aber schließlich auch noch abhanden kommt, nachdem ihr Auto auf einem Parkplatz in einer gesichtslosen Kleinstadt irgendwo im Nirgendwo von Oregon liegen geblieben ist.

Die ganze Geschichte erzählt sich im Wesentlichen nur über das Gesicht von Williams, die hier merkwürdigerweise zehn Jahre jünger wirkt als in „Mammut“, obwohl der nur ein Jahr später gedreht wurde. Als Wendy zeigt sie nur selten Emotionen, strahlt eher einen praktischen Pragmatismus aus. Aber dann ist da doch diese Verzweiflung in ihrem Gesicht, die erst lange unter der Fassade brodelt, um dann schließlich doch kurz auszubrechen.

Wie die wesentlich bekanntere Katie Holmes – die ich zwar auch mag, die aber eindeutig die schlechtere Schauspielerin ist – hat auch Williams ihre Karriere ja in „Dawson’s Creek“ gestartet, von der ich tatsächlich nur den Anfang der ersten und den Schluss der letzten Folge bewusst wahrgenommen habe. Muss ich mir die Serie etwa doch noch mal angucken?