Mit ‘3sat’ getaggte Beiträge

Den Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man liest, dass die letzten Montag bei 3sat gestartete HBO-Serie „In Treatment“ nur den halben Marktanteil hatte, den 3sat sonst so durchschnittlich hat, nämlich nur 0,5 Prozent. In absoluten Zahlen machte das bei der ersten Folge 160.000 Zuschauer. Also eine vernichtend schlechte Quote.

Jetzt kann man von der Serie selbst halten, was man will. Ich fand die ersten Folgen z.B. ziemlich dröge, erst ab der sechsten fing es so langsam an, mich zu interessieren. Aber dass selbst das 3sat-Publikum nicht bereit zu sein scheint, einer anspruchsvollen US-Serie mit einer interessant klingenden Prämisse (kammerspielartig inszeniert, fast in Echtzeit, jede Folge auf einen Raum und zwei bis vier Personen beschränkt) eine Chance zu geben. Mal ehrlich: Was läuft denn sonst so um die Zeit bei 3sat? Tierdokus und merkwürdige Reportagen. Und am Samstag Theteraufführungen. Und die haben dann einen doppelt so hohen Marktanteil?

Vielleicht ist es wirklich längst so, dass sich alle, die an guten Serien interessiert sind, diese sowieso kurz nach der US-Ausstrahlung irgendwo herunter laden. Oder dass diese Menschen alle eine Allergie gegen Synchronisationen haben. Ich weiß es nicht. Für die Aussichten, dass vielleicht doch noch mal andere anspruchsvolle Serien ihren Weg ins deutsche Free-TV finden, ist das jedenfalls mehr als schlecht. Wobei ich mich echt frage, ob es unter den Sky-Abonnenten tatsächlich mehr Leute gibt, die solche Serien sehen wollen als unter den 3sat-Zuschauern. Anscheinend ja, denn dort laufen ja die ganzen Serien von HBO & Co.

Dabei kann man sich über das Marketing von 3sat eigentlich nicht beschweren: Die serienaffine Zielgruppe versucht man mit einem Blog zur Serie anzusprechen, im Internet kann man die Folgen auch sehen, allerdings nur während der TV-Ausstrahlung (was an den Rechten liegen dürfte). Außerdem hat der Serienstart Medienecho von ungewöhnlichen Seiten bekommen: WDR5 brachte eine Kritik dazu, ebenso „der Freitag“, also Medien, die normalerweise nicht über neue Fernsehserien berichten. Die registrieren das also durchaus, wenn ein Spartensender mit einer Sendung mal ungewöhnliche Wege geht. Nur der deutsche Zuschauer scheint sich mit dem Einheitsbrei aus Wintersport und Karneval zufrieden zu geben.

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Ein Lichtblick im deutschen TV: 3sat nimmt HBO-Serie ins Programm

Veröffentlicht: 18. Januar 2010 in TV
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Es gibt noch Hoffnung: Da hatte ich mich gerade vor ein paar Tagen hier noch aufgeregt, warum anspruchsvolle HBO-Serien eigentlich in Deutschland nicht von öffentlich-rechtlichen Sendern ausgestrahlt werden, da lese ich heute, dass 3sat Mitte Februar „In Treatment“, eine Serie um einen von Gabriel Byrne gepielten Therapeuten, ins Programm nimmt. Zunächst sogar mit täglichen Doppelfolgen zur Primetime, nach zwei Wochen dann allerdings nur noch wöchentlich ab ca. 22 Uhr 30. Mit 3sat hatte ich nun wirklich am wenigsten gerechnet, weil die meines Wissens nach überhaupt noch nie US-Serien ausgestrahlt haben. Ein viel versprechendes Experiment.

Raus ins richtige Leben

Veröffentlicht: 23. März 2009 in Print
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Eine Empfehlung von Gay Talese, einem der Altmeister des New Journalism, der zu Gast in der 3sat-Sendung „scobel“ war. Darin ging es um intensiv recherchierte Reportagen, die Abgründe der Wirklichkeit am Beispiel Fritzl und deutsche Antworten auf den US-Reportagejournalismus.

(via)

Während Harald Schmidt seine besten Zeiten schon einige Jährchen hinter sich hat und Oliver Pocher noch in seiner Sendung üben lässt, zeigen ein Österreicher und ein Exil-Deutscher uns Piefkes, wie man eine wirklich lustige Late Night-Show produziert: Christoph Grissemann und Dirk Stermann bilden seit vielen Jahren ein grenzgeniales Kabarett-Duo. Ihre ORF-Show „Willkommen in Österreich“ lief gestern zum 61. Mal. Manchmal wird die Sendung auch auf 3sat wiederholt (zum Beispiel gestern Abend), aber leider nicht jede Woche. Macht aber fast nichts, da man sich die Sendungen, bis auf die jeweils aktuelle, auch als Stream angucken kann. Hier die Show, die 3sat gestern wiederholt hat (aus der letzten Woche).

Die Sendung ist so lustig, wie es „Die Harald Schmidt-Show“ vor sechs Jahren war. Wo Schmidt und Pocher nicht wirklich miteinander harmonieren, bilden Grissemann und Stremann ein perfekt aufeinander eingespieltes Duo. Das beherrscht, was den ARD-Kollegen völlig abgeht: Selbstironie. Statt Längen gibt es Gag auf Gag und eine originelle Bildregie mit Split-Screens. Und statt dem alten Sack Helmut Zerlett spielt eine junge, wilde Band aus Russland.

Im Radio moderieren die beiden Komiker ebenfalls jede Woche: In Deutschland läuft ihre „Show Royal“ sonntags von 16 bis 18 Uhr auf Radio Eins beim rbb in Berlin. Seit „Kuttner & Kuttner“ beim gleichen Sender eingestellt wurde, dürfte das das Lustigste sein, was es im deutschen Radio zu hören gibt.  Außerdem spielen Grissemann und Stermann zwei der drei Hauptrollen in einer der abgefahrensten Komödien, die ich in den vergangenen Jahren gesehen habe: dem wunderbaren „Immer nie am Meer“ mit Heinz Strunk in der dritten Hauptrolle. Solche Filme können nur die Österreicher drehen: sarkastischer Humor bis zum Abwinken, dazu eine Story mit existenzialistischer Fallhöhe. In Deutschland lief der leider nur in den üblichen Großstädten, in denen man mit solchen Off-Meisterwerken noch Programmkinos gefüllt bekommt.